Nachdem Birgit von der Herbergsleiterin aus der Dusche gejagt wurde, machen wir uns auf den Weg nach Burgos. Über die N120 kommen wir mit leichtem Gefälle schnell vorwärts und haben schon nach kurzer Zeit die Stadt erreicht. Dort nehmen wir schnell das typische Touristik-Programm durch. Kathedrale ansehen, Postkarten kaufen, und weiter...
Hinter Burgos gelangen wir nun endlich in die Meseta, die legendäre Halbwüstenlandschaft im norden Spaniens. Wie der Reiseführer schon sagt: "Ein Schattenplatz wird zu Ereignis". Dem kann ich nur voll zustimmen. Doch die Landschaft gefällt mir wunderbar. Der Camino wird immer holperiger und bietet auf dem hügeligen Land lange Anstiege. In der Mittagshitze brennt die Sonne so stark auf den Kopf, dass ich den Helm hin und wieder abnehmen muss. Der Weg wird immer schlimmer. An einigen Stellen sind die Reifenspuren durchschnittlich 25cm tief und man muss schon sehr aufpassen, um auf der hart getrockneten Erde nicht zu fallen. Unsere Räder wirbeln große Staubfahnen der dunklen Erde auf und nach einiger Zeit sind sie von einer dicken Schicht Staub bedeckt. Es ist lustig mit anzusehen, wie sich immer neue Formationen davon auf der Lackierung zeigen. Vielleicht habe ich auch einfach zu viel Sonne abbekommen...
Aus Angst vor einem Sonnenstich versuchen wir diesen Teil der Meseta möglichst schnell zu durchfahren. Beim Dörfchen Hontanas haben wir es dann geschafft. Wir wunderten uns schon die ganze Zeit, dass kein Dorf in Sicht kam. Erst kurz zuvor geht der Camino steil nach unten in ein kleines Tal, in das sich das Dorf schmiegt. In einer urigen Bar befeuchten wir erst mal wieder unsere trockenen Kehlen und besprechen, wo wir heute übernachten wollen. Da dieser Ort außer einem Swimmingpool kaum etwas zu bieten hat, bin ich für das etwas weiter entfernt liegende Castrojeriz. Ich frage ein paar andere Leute über die Vorteile von Castrojeriz aus und kann die anderen schließlich zur Weiterfahrt bewegen.
Auf dem Weg dorthin führt die Straße mitten durch ein altes Kloster und nach einiger Zeit kommt der Burgberg von Castrojeriz mit der darauf stehenden Ruine in Sicht.
Wir quartieren uns auf dem Campingplatz ein. Die beiden Jungs lassen es sich nicht nehmen, in das nahe gelegene Freibad zu gehen. Die frische Abkühlung muss ich mir nicht nehmen lassen und so lasse ich mich auch dazu überreden. Am Becken fällt mir so richtig auf, was für beeindruckende Radlerarme ich habe. In Bezug auf die Bräune. Die Unterarme sind dunkler als die der meisten Spanier, während meine Oberarme dagegen schneeweiß sind. Meine Beine sehen nicht anders aus. Naja... braun geworden bin ich ja wenigstens.
Ich komme auf die verrückte Idee, in der Dunkelheit zur Burgruine zu fahren. Frank ist sofort dafür zu haben. Mit einer Taschenlampe ausgerüstet, schieben wir unsere Räder den Berg rauf und versuchen in dem Wirrwarr der vielen kleinen Wege zur Burg zu finden. Viele von ihnen führen zu Höhlenwohnungen am Berg. Die Fassade sieht ganz natürlich aus. Fenster mit Blumenkästen darüber und einer Haustür. Doch die meisten der Wohnungen sind verlassen und haben wohl gerade eine Funktion als "Wochenendhaus" für den Besitzer.
Die Straße zur Burg führt so steil nach oben, dass man sie für eine Mondrampe halten könnte. Dort, wo sie hinführt, ist nur klarer Sternenhimmel zu sehen. Schließlich stehen wir vor der Burgruine. Wir tragen unsere Räder durch den Burggraben auf den Innenhof, sehen uns ein wenig in verlassenen Gemäuern um und finden auch eine Treppe nach oben. Über holprige Stufen gehen wir im Licht der Taschenlampe nach oben. Oben angekommen finden wir eine Mauer, an der man noch weiter hochklettern könnte. So erklimmen wir "a la Freeclimber" den höchsten Punkt der Ruine und haben einen wunderbaren Ausblick. Doch viel schöner als die wenigen Lichter der umgebenden Landschaft ist der Sternenhimmel. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich die Milchstraße. Einfach Wahnsinn!
Da ich nicht komplett schwindelfrei bin, bewege ich mich nur vorsichtig. Neben mir sollte es jetzt gute 30 Meter abgehen, aber was man nicht sieht...
Wir sitzen hier oben noch eine ganze Weile und philosophieren bis in den späten Abend über die verschiedensten Dinge.
| Heute gefahren: | 74,31km |
| Gesamt: | 2.486,27km |