Gleich am Morgen bekomme ich den Nachteil dieser Pilgerherbergen zu spüren. Wir müssen schon um 8 Uhr morgens die Herberge verlassen haben. Ab 5 Uhr ist an Schlafen kaum noch zu denken, da sich die ersten Fußpilger längst auf den Weg machen. So stehen wir schon um 8 dick angezogen vor der Herberge. Die Sonne beginnt gerade erst ihren Zug über das Himmelsfeld und es ist noch wahnsinnig kalt. Wir brauchen aber dennoch lange, um endlich loszukommen. Erst müssen zwei Räder repariert werden und alle sind genervt, da einfach nichts klappt. Nach einem kurzen Frühstück in einer Bar geht es endlich weiter. Die meiste Zeit fahren wir den Camino, der parallel zur N120 verläuft. In einigen Orten haben wir bereits erlebt, dass hier zurzeit eine Menge gefeiert wird. Während Leo und ich in einem Dorf auf die anderen warten, öffnet sich plötzlich das Gartentor neben uns und ein ganzer Festzug erscheint. Ein paar Jugendliche mit Kastagnetten drücken uns Plätzchen in die Hände und schnell ist der ganze Spuk wieder vorbei.
In einem anderen Dorf spricht mich ein aufgeweckter kleiner Junge an, will wissen woher wir kommen, wohin wir fahren und vieles mehr. Er weiß zwar nicht wo Deutschland ist, das müsse aber gaaanz weit weg sein oder?
Um uns einige Steigungen zu ersparen, schlägt Hugo eine Alternativroute aus dem Reiseführer vor. So verlassen wir den Pilgerweg für eine weile und sehen auch einmal ganz andere Dörfer, die noch viel verlassender wirken. Die Steigungen werden übrigens nicht gerade weniger. Hinzu kommt, dass außer Hugo kaum jemand wusste, dass wir wegen einer Steigung diesen 20km Umweg gefahren sind. Und dann besteht er noch darauf, dass wir heute nicht mehr bis Burgos fahren, sondern zur viel näher gelegenen Herberge nach San Juan de Ortega. Ich bin stinksauer, dass wir heute nicht mehr bis nach Burgos fahren. Wenn das so weiter geht, bleibt mir kaum noch Zeit, um meine Freunde in Salamanca zu besuchen.
In der Pilgerherberge in San Juan haben sie zudem keine Plätze mehr für uns, aber wir können ja unsere Zelte davor aufschlagen. Kaum jemand von uns möchte die Zelte unter der vor der Herberge aufgehängten Wäsche aufbauen. So stehen die Zelte einige Zeit später hinter der Herberge auf den Stoppeln eines steinigen Getreidefeldes. Und die eiskalten Duschen, nun ja... man gewöhnt sich an alles...
| Heute gefahren: | 56,95km |
| Gesamt: | 2.411,96km |