Tag 22: Logroņo - Sto.Domingo

Nachdem wir uns die Bäuche mit einem ausgiebigen Frühstück vollgeschlagen haben, geht es weiter.
Wir verlassen Logroņo über die ziemlich stark befahrene N120, biegen aber schon kurz danach auf den Camino ab. Von hier an führt uns der Weg an einem Stausee vorbei, an dem klare Bäche fließen und wo uns der Weg durch kleine Laubwälder führt. Danach wird die Landschaft immer schöner, aber auch karger. Der Weg wird immer beschwerlicher und vor Najera erwartet uns noch eine steile Abfahrt, die uns über große Steine stolpern lässt. Bei der Abfahrt müssen wir wie so oft, aufpassen, dass wir keinem der Fußpilgerer in die Hacken fahren. Neben dem Weg gibt es schöne Steintürmchen, die von vielen Pilgerern in den Jahren aufgestapelt wurden und in großen Mengen ganz bizarre Landschaften ergeben.

Bizarre Landschaften
Bizarre Landschaften

Nach einer mehrstündigen Pause in Najera geht es weiter. Was mir auffällt, ist, dass die meisten Städte hier eine hohe Anzahl an wild lebenden Hunden haben, die aber nie jemanden angreifen und sehr - vielleicht zu - zutraulich sind.
Es ist für mich sehr schwierig, mittags längere Pausen zu machen und ich kann mich auch kaum daran gewöhnen. So bin ich nach Ende einer Pause meist der Erste auf dem Rad und kann es gar nicht erwarten, weiterzufahren.

Überall ein Platz für eine Siesta
Überall ein Platz für eine Siesta

Hinter Najera erfahren wir in eine Landschaft, die sich nur mit Bildern aus Winnetou vergleichen lässt. Wir lassen es uns nicht nehmen, auf einige der schönen Felsformationen zu steigen und die Aussicht zu genießen. Die Luft ist so klar, dass wir schon Straßen sehen können, die wir erst in ein oder zwei Stunden erreichen werden. Beim senkrechten Blick nach oben fällt mir auf, dass ich einen so intensiv blauen Himmel noch nie gesehen habe. Über dem Horizont liegt kaum Dunst und man kann über große Entfernungen sehen.


Unser Ziel für heute ist Santo Domingo de la Calzada, wo wir in der Pilgerherberge übernachten wollen. So langsam ist es üblich, dass ich der "Dolmetscher" der Gruppe bin und so frage ich an der ersten Pilgerherberge nach freien Plätzen. Leider ist sie schon voll besetzt, doch ein Stückchen weiter gäbe es noch eine größere Herberge. Die anderen melden sich gleich an. Ich habe das Problem, dass ich noch kein "offizieller" Pilger bin, da ich den "Credencial de Peregrino", also den Pilgerausweis noch nicht habe. Hier ist leider auch keiner zu bekommen. Doch einem zugedrückten Auge darf ich dann doch hier übernachten.

Schlafraum in der Pilgerherberge
Schlafraum in der Pilgerherberge

Unsere Betten, genauer gesagt Holzbretter, liegen auf dem Boden einer großen Halle. Sie erinnert mich ein wenig an ein Flüchtlingslager. Doch die Atmosphäre unter den Pilgern ist super. Es gibt warme Duschen, einen Abstellraum für die Fahrräder und eine Gemeinschaftsküche, in der ich endlich mal wieder richtiges Kochgeschirr mit Herd benutzen kann. Was für ein Luxus! So gut haben mir und den anderen die Spaghetti sicher schon lange nicht mehr geschmeckt!
Am Abend kommen noch Suscha und Birgit auf mich zu und schlagen mir vor, dass ich doch bis León mit der ganzen Gruppe weiterfahren könnte, um mich dann auf den Weg nach Salamanca zu machen. Ich stimme zu und so werde ich auch die nächsten Tage mit ihnen verbringen.


Heute gefahren: 55,01km
Gesamt: 2.355,01km

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