Ich habe mich entschlossen, mit den anderen an diesen Tag zusammen zu fahren. Hinter Logroņo möchte ich morgen nach Norden zum Atlantik abbiegen und die Gruppe wieder verlassen. Einige warnen mich gleich vor, dass sie nicht so schnell fahren könnten, wie ich. Doch mir macht das nichts aus. Es ist schön mal ein wenig langsamer zu fahren und so vielleicht noch mehr von der Landschaft zu sehen. Alleine war ich immer dazu versucht so viele Kilometer wie möglich an einem Tag zu machen. Dies ist mal etwas ganz anderes. Ich komme mit der Gruppe super klar und ich habe die Gelegenheit, mit jedem während der Fahrt ein wenig zu reden, so dass ich mir in etwa ein Bild von jedem machen kann.
Mit Frank verstehe ich mich während der ganzen Fahrt wunderbar. Er ist im Durchsetzen von verrückten Ideen fast so schlimm wie ich und hat auch einen super Humor. Er arbeitet übrigens im Krankenhaus wo er auf der Intensiv-Station Krebspatienten arbeitet. Etwas, das sicher nicht jeder machen kann. Oft fahren wir an der Spitze der Gruppe und versuchen die anderen damit ein wenig "zu ziehen". Wenn es mal wieder gar nicht vorwärts geht.
Hinter Estrella halten wir an einem Kloster, neben dem es wieder einen Trinkwasserbrunnen gibt. Eigentlich nichts besonderes, da am "Camino" in jedem kleinen Dorf ein Trinkwasserbrunnen steht. Doch die Besonderheit an diesem ist, dass es zwei Hähne gibt. Einen für Trinkwasser und den anderen - für Wein! Ich lasse es mir nicht nehmen, gleich meine zufällig leere 2-Literflasche unter den Weinhahn zu stellen... :o)
Die Landschaft heute ist einfach fantastisch. Im Norden sieht man eine riesiges Gebirge im Dunst stehen. Der "Camino" führt uns durch abgelegene Hügellandschaften, die sich besonders durch ihre karge Vegetation und Trockenheit auszeichnen.
Ein Stück fahren wir zusammen auf der N111, bis Frank und ich nach einiger Zeit bemerken, dass die anderen gar nicht mehr kommen. Und dass, wo sich Landschaft laut Reiseführer durch "leicht wellig" erweist. Wir sind gerade wieder auf einer Anhöhe angelangt und warten ewig darauf, dass über der hinter uns liegenden Hügelkuppe einer der anderen auftaucht. In der Zwischenzeit kommt ein weiterer Radfahrer vorbei, den ich frage, ob er die anderen Gesehen hat. Er kann kein Spanisch, wir kommen aber schnell darauf, dass wir beide Deutsch sprechen. Er hat sie leider nicht gesehen. Während Frank zurückfährt, um die anderen zu suchen, unterhalte ich mich mit ihm. Er kommt aus Südtirol - mit dem Fahrrad. Also bin ich hier als sooo Verrückter doch nicht alleine...
Nach einiger Zeit kommt Frank zurück, hat aber von den anderen nichts gesehen. Sie scheinen ein Stück zurück auf den richtigen Pilgerweg abgebogen zu sein, ohne uns davon in Kenntnis zu setzen. So gut läuft die Kommunikation zwischen der Gruppe scheinbar nicht. Also fahren wir beiden das Stück zurück und biegen an der nächstmöglichen Stelle auf den richtigen "Camino" ab. Der Weg ist wunderbar ausgebaut, doch bei der schnellen Fahrt über die Hügellandschaft bekomme ich von Frank, eine ganze Menge aufgewirbelten Staub ins Gesicht. Ich frage zwischendurch ein paar Pilgerer, ob sie die anderen gesehen haben. Sie haben! Und nach einiger Zeit treffen wir sie endlich wieder. Über die folgende Diskussion erspare ich mir mal die Beschreibung...
Hinter dem Dorf Sansol wird der "Camino" so uneben, dass wir mit den Rädern auf der N111 weiterfahren müssen. Die Straße ist nur leicht befahren, doch weist an dieser Stelle viele Serpentinen auf.
Vor Logroņo liegt der Viana, in dem Hugo und einige andere am liebsten schon übernachten würden, da der Tag für sie zu anstrengend war. Ich schaffe es, sie davon zu überzeugen, doch noch bis nach Logroņo weiterzufahren. Der kleine Ort hier gefällt mir einfach nicht und ich habe kein gutes Gefühl bei der Vorstellung, hier zu übernachten. Und auf mein Gefühl kann ich mich in dieser Hinsicht immer verlassen.
Kurz vor der Ankunft in Logroņo fahren wir durch einige Weinberge. Uns fällt auf, dass die Trauben schon recht reif aussehen und wir probieren natürlich welche. Sie schmecken so gut, dass wir uns gleich ein paar Reben für das Abendessen einpacken. Was für ein Paradies!
| Heute gefahren: | 58,33km |
| Gesamt: | 2.300,00km |