Kurz hinter Ochagavia verschlägt es mich wieder in die Bergwelt der Pyrenäen. Die Steigungen ziehen sich zum Glück über recht lange Strecken, so dass dort nach jeder von ihnen eine mindestens genauso lange Abfahrt ist. Für Spanien ist es heute ganz schön kalt und von Norden wälzen sich dicke Wolken über die Pyrenäen. Die Dörfer wirken ebenfalls nicht besonders spanisch. Abgesehen von den Kirchen könnten sie auch irgendwo im deutschen Mittelgebirge stehen. Meistens haben die Häuser weiße Fassaden und schwarze oder rote Dachziegel auf einem Spitzdach.
Auf der N135 nach Pamplona/Iruña verlasse ich langsam die Bergwelt der Pyrenäen. Ich finde einen schönen Rastplatz, an dem es einen Trinkwasserbrunnen gibt. Genau das habe ich jetzt gebraucht!
Am Mittag nähere ich mich Pamplona bzw. Iruña. Die Bezeichnung Iruña ist der baskische Name dieser Stadt. Das Fest "San Fermin", bei dem ‚mutige' Männer sich von Stieren durch die Straßen jagen lassen, hat diese Stadt so berühmt gemacht. So wird hier wird alles spanischer. Besonders in Hinsicht auf die Fahrweise der Autofahrer.
Mich hält es hier nicht lange und einige Zeit später befinde ich mich wieder auf einer Landstraße außerhalb der Stadt. Die Landschaft ist sehr trocken und die Felder wirken dabei recht farblos. Hin und wieder gibt es heftige Anstiege und Abfahrten, die mich auf Rekordgeschwindigkeiten bringen.
Auf dieser Strecke sehe ich erstaunlich viele Radfahrer, die mit Gepäck unterwegs sind. Hinter Puente de Reina überhole ich eine Gruppe von Reiseradlern und komme mit einem von ihnen ins Gespräch. Und siehe da: Sie kommen auch aus Hamburg (!) sind aber erst heute in Pamplona losgefahren. Die Gruppe besteht aus 6 Radlern, oder, genauer gesagt, 2 Familien mit jeweils einem Sohn dabei. Ich erfahre, dass sie auf dem Weg in Richtung Santiago de Compostela sind. Einem Pilgerweg...
Dieser Weg ist der so genannte "Camino de Santiago", im Deutschen auch unter "Jakobsweg" bekannt. Die ganzen anderen Radfahrer, die ich heute gesehen habe, waren also auch Pilger.
Für heute haben wir das gleiche Ziel und ich fahre mit der Gruppe noch dorthin weiter. Zwischendurch verlieren sich die einzelnen Mitglieder der Gruppe in riesigen Abständen und auf den Anstiegen machen uns vor allem die Fliegen zu schaffen. Da fährt man mit gerade mal 5 km/h an seinen körperlichen Grenzen einen Berg rauf und ein ganzer Schwarm von Fliegen schwirrt einem vor dem Gesicht herum. Einige von ihnen setzen sich immer wieder auf das Gesicht. In die Nase, auf die Lippen usw. Es ist zum wahnsinnig werden! In mir werden Erinnerungen an Norwegen wach...
Im Zielort Lizarra/Estrella warte ich mit den beiden Vätern und einem der Söhne auf den Rest der Gruppe. Und sie kommen und kommen nicht...
Nach langem Warten fahre ich schon mal vor zum Campingplatz. Einen so vollen Campingplatz habe ich noch nie gesehen. Ich bekomme einen von vier Zeltplätzen auf einer Parzelle zugewiesen wo neben dem großen Nachbarszelt kaum noch Platz für meins ist.
Nach dem Abendessen sehe ich schließlich die Gruppe aus Hamburg ankommen - wieder vereint. Nachdem sie die Zelte aufgebaut haben, unterhalte ich mich besonders lange mit Frank, einem der Väter, über verschiedenste Themen. Erst gegen 1 Uhr Nachts gehen wir in unsere Zelte wobei ich merke, dass ich noch gar nicht geduscht habe. Und das, wo das Warmwasser gerade abgestellt wurde... PP
| Heute gefahren: | 131,31km |
| Gesamt: | 2.241,67km |