Die Sonne scheint und ich habe einen wunderbaren Ausblick auf die Bergwelt. Es ist mein Geburtstag. Was für ein schönes Geschenk. Und für den richtigen Auftakt zum Geburtstag sind heute etwa 1.000 Höhenmeter auf 10 Kilometern angesagt. Wie schön ich das finden werde, wird sich noch zeigen.
Gleich hinter Larrau geht der Anstieg voll weiter. Über Serpentinen stemme ich mein Fahrrad immer weiter nach oben und somit immer tiefer in die Bergwelt hinein. Das Gepäck macht sich bei mindestens 10% Anstieg stark bemerkbar und ich merke, wie sehr mich die Schwerkraft zurückhält. Teilweise geht ist es so schlimm, dass ich meinen Tacho nur mit Schwierigkeiten über 3km/h halten kann.
Immer wieder genieße ich den Ausblick auf die Bergwelt. Außerhalb der Pyrenäen kann ich eine dicke Wolkenschicht erkennen, doch über mir ist schönster, blauer Himmel. Je höher ich komme, umso stärker wird der Wind aus Richtung Spanien. Die Umgebung wird immer kahler und schließlich windet sich die Straße nur noch durch eine mit Gras und Farn bewachsene Felslandschaft, auf der an einigen Stellen Kühe vor der gewaltigen Hochgebirgskulisse grasen.
Die Pyrenäen gefallen mir deutlich besser als die Alpen. Es gibt viel weniger Tourismus und so wirkt alles viel angenehmer. Im Durchschnitt sehe ich nur etwa ein Auto oder Motorrad in 5 Minuten, welches kurze Zeit später hinter der nächsten Kurve verschwindet und mich die Stille genießen lässt. Hinter dem Col d'Erroimendi verliert der Anstieg an Härte und es geht für kurze Zeit sogar leicht bergab. Dann aber sehe ich am vor mir liegenden Berghang die Straße hochgehen. Ich sehe, dass ich noch 6 starke Serpentinen zu meistern habe, um oben anzukommen. Zu meiner Linken erblicke ich die ganze Zeit das unberührte von dichten Wäldern bedeckte Tal Bois de Ziziratzia.
In den Serpentinen komme ich noch einmal richtig ins Schwitzen. Ich rege mich unheimlich über die Leute auf, die von oben auf mich herabstarren als wenn ich eine Attraktion wäre. Sicher sind sie schon dabei Wetten zu machen, ob ich es schaffe oder nicht - bilde ich mir ein. Oben angekommen hätte ich einem von ihnen am liebsten den Abhang runter getreten. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Gruppe, von Motorradfahrern, die die ganze Zeit auf mich herabgestarrt hat, lädt mich zum Mittagsessen ein. Es sind vier Franzosen die mit Oldtimer-Motorrädern unterwegs sind.
Einer von ihnen kann ein wenig Deutsch und mit meinen wenigen Französischen Wörtern können wir uns recht gut unterhalten. Wie sie herausbekommen, dass ich Geburtstag habe, drücken sie mir noch eine Menge zu Essen in die Hände. So etwas finde ich unheimlich nett, denn über die paar Nektarinen zum Geburtstag kann ich mich richtig freuen. Die sind hier oben genau richtig. Unter unseren Füßen sehen wir die sich hoch schlängelnde Straße. Ein sehr starker Südwind weht uns in den Rücken und nimmt plötzlich meinen Helm mit in die Lüfte. Ich sehe den Helm das Geröllfeld herabkullern und bitte bei diesem Anblick die ganze Zeit darum, dass er doch endlich zum stehen kommt. Wie er endlich liegen geblieben ist, klettere ich den Abhang runter und erreiche meinen Helm endlich. Nach einer längeren Kletterpartie komme ich mit vielen Steinen in den Schuhen oben wieder an.
Nach dem Essen verabschiede ich mich von den Motorradfahrern, die sich auf den Weg machen, die gesamte Iberische Küste zu erkunden. Dann folgt mein erster Blick auf Spanien. Dichte grüne Wälder bedecken das ganze Pyrenäen-Gebirge und nicht ein einziges Dorf ist zu sehen.
Die lange Abfahrt ist eine wahre Wohltat, doch geht ganz schön auf die Bremsklötze. Langsam tauche ich in die Wälder ein und realisiere kaum, dass ich schon in Spanien bin. Ich habe es tatsächlich geschafft! Wahnsinn!
Zu Beginn habe ich Angst vor den spanischen Autofahrern, da ich über sie schon viel Schlechtes gehört habe. Doch sie fahren sehr vorsichtig und halten auch genügend Abstand von mir. Die Straße ist ebenfalls sehr gut und nicht ein Schlagloch ist zu sehen.
Schon um 15.30 beschließe ich, auf den Campingplatz zu gehen. Es ist schließlich mein Geburtstag und ich denke, dass ich heute schon genügend geleistet habe. Schön ist, dass die Zeiten des Französischsprechens endlich vorbei sind. Ich bin zwar noch im Baskenland, doch die Leute hier können alle Spanisch, so dass ich mich recht gut unterhalten kann.
Gegen Abend stellt eine große Gruppe von Radlern ihre Zelte bei meinem auf. Doch ich rede kaum mit ihnen und nehme sie auch nicht sonderlich ernst, da sie sich ihr Gepäck von einem Lieferwagen haben bringen lassen. So was kann ja jeder... ;o)
| Heute gefahren: | 30,65km |
| Gesamt: | 2.110,36km |