Tag 18: Orthez - Larrau

Heute geht's endlich in die Pyrenäen! Ich möchte über den Pass Port de Larrau nach Spanien gelangen, doch das wird heute kaum zu schaffen sein, so dass ich in den Bergen wahrscheinlich wild übernachten muss. Den letzten Campingplatz vor den Pass passiere ich schon früh am morgen. So sagt es mir die Karte.

Erste Steigungen
Erste Steigungen

Vorher fahre ich durch eine stark ausgeprägte Hügellandschaft, die einige deftige Anstiege bietet. Nach einem Einkauf in Sauveterre folge ich den Großteil des Tages immer dem Fluss Saison, der auf seinem Weg mehrere Male den Namen wechselt. Nun bin ich im französischen Baskenland. An vielen Fassaden sind Schriften wie ETA und "Autonomia" zu lesen. Dazu noch einige weitere Wörter in baskischer Sprache, die sich aber kaum aussprechen geschweige denn verstehen lassen.
Das Wetter heute ist nicht besonders. Die Sicht ist schlecht und der ganze Himmel ist mit Wolken bedeckt. Doch je höher die Berge um mich herum werden, desto mehr blaue Lücken sind zu auszumachen. Bis schließlich keine Wolken mehr da sind sondern nur noch im "Flachland" hinter mir zu sehen sind.

Bergbach
Bergbach

Schließlich wird das Tal immer schmaler und der Fluss neben mir zu einem stark fließenden Gebirgsbach. Hinter Laugibar trennt sich die Straße vom Bach und der tatsächliche Anstieg von mindestens 10% beginnt. Ich muss bei dem Gewicht meines Rades aufstehen um mich durch starkes Stemmen in die Pedalen Stück für Stück vorwärts zu hebeln. Laut Karte soll der Anstieg in dieser Heftigkeit weitere 15km so bleiben. Ein für heute nicht zu schaffendes Unterfangen. Der letzte Ort heute wird das Bergdorf Larrau sein. Ich bin überglücklich, wie ich dort einen Campingplatz sehe, der nicht auf meiner Karte eingezeichnet war. Ich schlage mein Zelt unter Schatten spendenden Bäumen, die den ganzen Campingplatz bedecken, auf.

Idyllischer Campingplatz
Idyllischer Campingplatz

Die Landschaft hier ist großartig und in ihrer Schönheit kaum zu beschreiben. Obwohl ich erst auf 630 Metern über dem Meer bin, ist dies hier schon ein richtiges Bergdorf, wie es in den Alpen erst auf über 1.000 Metern zu finden ist.

Erst 630 Meter...
Erst 630 Meter...

Am Abend beschließe ich, mir noch ein wenig die Gegend anzusehen. Vom Campingplatz aus führt ein Wanderweg in die abgelegeneren Gebiete. Auf dem holperigen Weg schiebe ich mein Rad ohne Gepäck immer weiter bergauf. Währenddessen kommen mir zwei Wanderinnen entgegen, die sich gleich Sorgen um mich machen, da es schon in zwei Stunden dunkel sein wird. Inzwischen hat sich mein Französisch schon so weit gebessert, dass ich ihnen versichern kann, vor der Dunkelheit wieder zurück am Campingplatz zu sein. Ich habe mein Fahrrad nur dabei, damit ich auch schnell zum Campingplatz zurückrollen kann. Die dichten Wälder lösen sich bei zunehmender Höhe immer weiter auf, bis ich mich schließlich über der Baumgrenze befinde. Auf der anderen Seite des Tales sehe ich die Hängebrücke Gorges D'Holzarte, die auf 200 Metern eine 300 Meter tiefe Schlucht überbrückt. Schade, dass ich sie mir heute Abend nicht mehr aus der Nähe ansehen kann.

Wow...
Wow...

Schließlich bemerke ich, dass ich schon nach wenigen Kilometern mitten im Gebirge bin. Die Sonne taucht die umliegenden Berge in ein wunderbares Licht und überall stehen schöne, farbige Blumen auf den Wiesen. An einem guten Aussichtspunkt pausiere ich und entschließe mich, an dieser schönen abgelegenen Stelle ein paar Postkarten nach Hause zu schreiben. Wie ich damit fertig bin, ist auch an den höchsten Gipfeln kein Sonnenlicht mehr zu sehen und ich mache mich in der Dämmerung langsam auf den Weg zurück zu meinem Zelt.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang

Die Abfahrt ist sehr hart, da der Weg unheimlich uneben ist und ich nach ein paar Kilometern den stark vibrierenden Lenker kaum noch halten kann. Rechts neben mir geht es etwa 400 Meter steil bergab und so achte ich die ganze Zeit darauf, dass ich immer auf der linken Seite des Weges fahre. Am Campingplatz angekommen, steht die Besitzerin zum Glück noch beim inzwischen geschlossenen Eingangstor und öffnet es mir.
Spät Abends verspüre ich im Zelt den Druck, noch einmal auf die Toilette gehen zu müssen. Ich halte es nicht für nötig meine Taschenlampe für den kurzen Weg zur Toilette mitzunehmen und bin ziemlich überrascht, wie ich mich vor dem Zelt in totaler Dunkelheit wiederfinde. Ich erkenne noch die Silhouetten von ein paar Autos und Bäumen in der Dunkelheit und taste mich mehr oder weniger vorwärts. So eine Dunkelheit habe ich noch nie erlebt. Nicht einmal der Mond ist zu sehen. Wie ich die Toilette wieder verlasse, mache ich mich in vorsichtig schwankenden Schritten wieder zurück auf den Weg zum Zelt. Unbewusst schwenke ich mit dem Blick nach oben und stehe plötzlich staunend vor dem unheimlich schönen Sternenhimmel. So viele Sterne auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Einfach schön...


Heute gefahren: 92,10km
Gesamt: 2.079,71km

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