Was für eine Nacht! Dieser dämliche Hahn hat tatsächlich die ganze Nacht in den schiefsten Tönen geschrieen. Einige Male war ich kurz davor, in den Käfig zu springen und ihm den Hals umzudrehen. Es ist (leider) nicht dazu gekommen.
Der Morgennebel hat das ganze Zelt durchnässt, doch er verzieht sich glücklicherweise nach einiger Zeit. Ich fahre den ganzen Tag durch über kleine Landstraßen. Die feuchte Luft und die pralle Sonne lassen endlich mal ordentliche Hitzetemperaturen aufkommen. Ich liebe Hitze! In der Entfernung verschwinden die Hügel im starken Dunst.
Die Dörfer zeichnen sich alle durch sehr alte, teils zerfallene Häuser aus, wie man sie in Deutschland kaum noch sieht. Ich frage mich beim Anblick dieser Dörfer, wo denn der Reichtum dieser "Gran Nation" sein soll. Alles nur Lug und Trug? Die meisten Dörfer könnten genauso gut in Slowenien stehen. Einem Land, das bis jetzt nicht in die EU aufgenommen wurde.
Je weiter ich heute nach Süden komme, desto deutlicher werden die Spuren alter - teils deutscher - Geschichte. Die Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg, dem "Gran Guerre" (Großen Krieg) werden immer zahlreicher. Deutsche, Franzosen, Engländer, Kanadier, Amerikaner, Australier, Inder, Südafrikaner...
Was in dieser friedlichen Landschaft alles an Menschen niedergemetzelt worden sein muss, ist unvorstellbar. Diese leicht hügelige Landschaft mit ihren Wäldern und Wiesen soll einmal eines dieser von Kratern zerwühlten Schlachtfelder gewesen sein? Es ist schwer, sich das beim Anblick dieser Landschaft vorzustellen.
Als einzigen größeren Ort heute habe ich Douai zu durchfahren. Doch dank der überall stehenden Stadtpläne gestaltet sich die Durchfahrt ohne Probleme. Dabei fällt mir ein lustiges Verkehrsschild auf: "SAUF BUS". Was das wohl heißen mag? :o)
In Peronne quartiere ich mich wieder auf einem Campingplatz ein. Dabei nehme ich das erste Mal in Frankreich einen "Camping Municipal", also einen städtischen Campingplatz. Wie ich später noch erfahren werde, sind dies immer die billigsten und dazu noch in der Regel gut ausgestattet.
Was ich diesen Abend bemerke: Franzosen können streiten! Und dabei wird sich so ins Zeug gelegt, dass im Tonfall auf die Umgebung keine Rücksicht genommen wird. Übrigens: Oft sprechen Franzosen in einem Ton miteinander, dass ich denke, sie gehen sich jeden Moment mit einem Messer an die Kehle. Dabei stellen sich diese Gespräche bei genauerem Hinhören nur als normaler Alltagsklatsch heraus. Echt seltsam. Ich muss wohl noch eine Menge über Franzosen lernen...
| Heute gefahren: | 108,80km |
| Gesamt: | 1.025,62km |