Tag 7: Antwerpen - Watrelos

Am Morgen muss ich erst einmal den ersten auf meiner Karte verzeichneten Ort finden. An einer Straßenbahnhaltestelle hilft mir ein kleingewachsener alter Mann auf Deutsch und Englisch, den Weg zu finden. Ich müsse bis zu meinem nächsten Ziel (Lokeren) immer auf der Hauptstraße der Tram folgen, was auch ohne Probleme funktioniert. Ab Lokeren folge ich kleinen, teils mit Kopfsteinpflaster ausgebauten, Landstraßen. Die Landschaft wird langsam hügeliger und meine ersten Anstiege auf dieser Tour machen sich stark bemerkbar. Die kleinen Orte hier zeichnen sich besonders durch die mächtigen, teils Kathedralförmigen Kirchbauten aus. Sie erscheinen neben den kleinen Häusern viel zu groß. Was mir positiv auffällt: In Belgien sind die stark befahrenen Straßen so breit angelegt, so dass auf jeder Seite noch ein breiter Streifen zum Parken oder Radfahren bleibt.

Flämische Landschaft
Flämische Landschaft

Einige Kilometer, vor Oudenaarde, spricht mich ein Radfahrer auf Englisch an. Er gibt mir einige hilfreiche Informationen auf den Weg und schenkt mit obendrein noch seine Fahrradkarte dieser Region. Ich kann nur sagen, dass die Mehrheit der Belgier ein freundliches Völkchen zu sein scheinen. Wo es nur geht, wird schnell geholfen. Nachdem ich in Oudenaarde die Schelde überquert habe, folge ich diesem Fluss noch einige Zeit gen Südwesten.

Kanal
Kanal

Ab dem Ort Spierre/Espierres komme ich langsam in den französischsprachigen Teil Belgiens. Ich habe einen großen Bammel vor den französischsprachigen Gebieten und Frankreich selbst. Oft habe ich gehört, dass die Menschen dort nicht bereit sind, andere Sprachen als Französisch zu sprechen. Da meine Französischkenntnisse zu Null hin tendieren, habe ich Angst vor einer Frankreich-Durchquerung ohne ordentliche Kommunikation mit anderen Menschen. Die französischsprachige Region begrüßt mich gleich damit, dass alle Fahrradstreifen an den Rändern der Landstraßen verschwinden.

Französische Staatsgrenze
Französische Staatsgrenze

Kurze Zeit später finde ich mich in Toufflers auch schon in Frankreich wieder. Dies macht sich aber nur darin bemerkbar, dass die Straßen -und Nummernschilder sich ändern. Von einem Grenzübergang zwischen den direkt benachbarten Häusern der beiden Länder ist nichts zu sehen. Ich irre noch ein wenig im Ort herum und halte das nächste vorbeifahrende Polizeiauto an, um nach einem Campingplatz zu fragen. "Excusez-moi. Parlez-vous angais?" Er deutet mir mit einem gewissen Gesichtsausdruck an: "Nun ja, schon, muss aber nicht sein".
Ich: "O Allemand o Espagnol?"
Fahrer: "No"
Ich: "Je cherche le camping"
Die beiden vorne sitzenden Polizisten werden etwas freundlicher, überlassen das Wegbeschreiben auf Englisch aber dem hinten sitzenden jüngeren Kollegen. Letztendlich bekomme ich von den Dreien die zur Wegbschreibung verwendete Stadtkarte geschenkt und versuche den Campingplatz bei Watrelos zu finden. Nachdem ich französisches Geld von der Bank geholt habe, frage ich mich zum Campingplatz durch. In einer Bar finde ich jemanden, der mir den Weg zeigt. Über eine unglaublich schlechte Straße aus Kopfsteinpflastern erreiche ich schließlich den Campingplatz. Die Plätze befinden sich zwischen den Ställen eines Bauernhofes. Wegen mir muss die Tochter gerufen werden, die ein sehr lückenhaftes Englisch spricht. Aber immerhin.
Für etwa 10 DM kann ich mein Zelt neben dem Hühnerstall (böse Sache!) aufstellen. Zum Duschen hätte ich am besten eine Taschenlampe mitgenommen, da der große Waschraum nur durch eine kleine Glühbirne beleuchtet wird. Nun ja, man muss mit dem leben, was da ist...


Heute gefahren: 131,25km
Gesamt: 916,82km

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