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Planlos in Mérida
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Politische Lage im August 2003:
Die politische Lage in Venezuela bleibt weiterhin kritisch. Die meisten Reichen sind gegen Chávez, die Mehrheit der Armen ist für Chávez. Die Armen sind davon überzeugt, dass Chávez ihnen den Reichtum gibt, doch bis jetzt haben sie kaum Kenntnis davon genommen, dass Chávez ihnen mehr genommen, als gegeben hat.
Die Aussagen sind zweischneidig. Viele Leute bilden sich ihre eigene -deutliche - Meinung und kaum jemand will von seiner Position zurücktreten. Kurz nach meiner Abreise soll ein Referendum stattfinden, welches darüber entscheiden soll, ob Chávez im Amt bleibt, oder nicht. Es wird mit großer Wahlfälschung gerechnet.
Die Einen rechnen mit einem ruhigen Verlauf, die anderen rechnen mit blutigen Unruhen. Besonders gefährdet sind Maracay (der Sitz des Präsidenten), Mérida (die Studentenhochburg) und natürlich die Hauptstadt Caracas. Einige Schwarzmaler reden bereits von Bürgerkrieg. Die Gerüchteküche und Spekulationen laufen auf Hochtouren und werden so schnell wohl auch nicht gestoppt werden können...
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In Mérida gibt es die Posada Alemania, die - sinnigerweise - einem Schweizer gehört. Bruno begrüßt mich herzlich und zeigt mir die ganze Herberge. Er hätte es schon gewusst, dass heute noch jemand kommt, und er hat auch gleich ein Zimmerchen für mich frei. Wie nett.
Saubere Plätze und geschmacksvolle Reklame...
...das ist Mérida!
Zugegeben: Meine Tage in Mérida sind ziemlich stark von "Nichtstun" beeinflusst. Ich liege viel in der Hängematte, esse gerne und unternehme nichts Großes mehr. Ich lasse mich hängen und die vergangenen Wochen ein wenig Revue passieren. Es ist meine letzte Woche in den Tropen vor der Rückkehr nach Deutschland. Eigentlich wäre ich gerne noch für einen Tag nach Kolumbien gefahren und hätte so gerne so viele andere Dinge sehen wollen, doch irgendwie komme ich zu nichts. Ich bin aber auch nicht wirklich unglücklich darüber.
Mérida ist eine Wohltat nach den Chaos-Städten Lima und Caracas. Alles ist sauber, der Verkehr läuft mehr oder weniger geordnet und man sieht nur wenige arme Menschen. Hat man es einmal vom Flughafen Caracas bis hierher geschafft, sieht man eine venezuelanische Stadt von ihrer guten Seite.
Tag 78 der Reise: Mit Sebastian, einem anderen Deutschen aus der Herberge, möchte ich zur Fischzucht Monterrey fahren. Daraus wird leider nichts. Jeder Passant, den wir fragen, gibt uns eine andere Richtungsangabe und im Endeffekt ergibt sich daraus eine ganz nette Odyssee durch die gesamte Stadt.
Und am Abend führt Bruno fast die Gäste der Herberge noch durch ein paar nette Bars.
Endlich: Nach 10 trockenen Wochen...
...ECHTER Regen!
Tag 79 der Reise: Wir starten einen zweiten Versuch nach Monterrey gelangen: Auf dem Weg dorthin verlaufen wir uns ziemlich und kommen in einen Regenschauer. Nach ein paar Kilometern fragen wir einen Bauern nach dem Weg. "Monterrey? Da seid ihr schon viel zu weit. Hier oben kommt ihr nur in den Paramo."
Übrigens gibt es ein venezuelanisches Sprichwort für welches lautet: "Im Paramo enden." Das bedeutet zu Deutsch soviel wie: "Den Löffel abgeben."
Wir haben äußerst wenig Lust, dort oben im kaltfeuchten Paramo zu enden, und machen uns auf den Rückweg. An der Fischzucht treffe ich Carolina und ihre Familie wieder und wieder sagt sie mir, dass ich doch mal bei ihr im Hotel vorbeikommen sollte. So reich, als wenn ich mir das leisten könnte, bin ich leider nicht - auch nicht als "Yankee"...
In einem kleinen Dorf kaufen wir noch ein paar Flaschen mit unglaublich leckerem Wein. Da könnte sogar ich zum Weinliebhaber werden. Aber, wie es der liebe Gott (oder wer auch immer) so will: So eine leckere Sorte gibt es ja in Deutschland nicht.

Tag 80 der Reise: Am folgenden Tag haben Sebastian und ich nicht mehr Glück mit der Orientierung. Wir wollen die heißen Quellen von Musui besuchen. Wir fahren mit einem Bully bis in ein Dorf und fragen uns von dort aus zu den heißen Quellen durch. Nachdem wir ziemlich lange bergauf gelaufen sind, stehen wir zwar vor heißen Quellen, jedoch nicht vor den heißen Quellen von Musui. Diese hier sind überfüllt mit Menschen und lassen sich sogar per Auto erreichen. Wir haben uns komplett in die falsche Richtung fahren lassen!
Benzinverbrauch ist in diesem Land nicht von Interesse...
Ein Fahrradladen!
...in dem man auch Brötchen und Lotteriescheine kaufen kann.
La Posada Alemania
Tag 81 der Reise: Sebastian ist abgereist und ich mache mich gemeinsam mit dem Trio Max, Maxi und Maiko auf den Weg zum Pico Espejo. Das allerdings nicht zu Fuß, sondern mit der höchsten und längsten Seilbahn der Welt. Über vier Etappen geht es nach oben:
Erst von der Talstation (1577 m) zum Caņon del Chama (2436 m).
Vom Caņon del Chama hoch zum Nebelwald (3452 m).
Vom Nebelwald geht es weiter zum unwirtlichen Paramo (4045 m).
Und die letzte Station ist "Las Nieves del Tropico", der "Schnee der Tropen" auf einer Höhe von 4765 Metern. M&M&M (Max, Maxi und Maiko) sind total begeistert von der Höhenluft und beschreiben sie "wie auf Droge" oder "wie nach der ersten Zigarette". Ich spüre nur recht wenig von der Höhenluft, vielleicht habe ich mich inzwischen doch ein wenig daran gewöhnt. Leider ist der gesamte Gipfel von Wolken eingehüllt und wir können nichts von der sicherlich beeindruckenden Umgebung ausmachen.
Dafür gönnen wir uns einen Spaß und ziehen uns bis aufs T-Shirt aus. Die klimatischen Umstände hier entsprechen in etwa einem typisch feucht-kalten hamburger Wintertag. An der Talstation haben die Venezuelaner sich bereits in Erwartung der unglaublichen Kälte in Schal, Mütze, Handschuhe und dicke Jacke eingepackt und schauen uns jetzt ungläubig an...
Seilbahn über Mérida
Der Nebelwald
Ein echter Bolivianer würde bei so etwas vor Schamesröte im Erboden versinken: Frierende Andenbewohner
Pico Espejo
Nach unserer Rückkehr in Mérida entdecke ich in einem extrem billigen Restaurant endlich wieder bolivianische Zustände... Zumindest auf der Toilette...
Die Klobrille hängt an der Wand und man muss sie vor Benutzung erst auf die Toilette legen. Jetzt nur nicht zu viel wackeln... Nach dem erledigten Geschäft stellt man fest, dass der Wasserhahn nicht funktioniert. Macht nichts. Man muss sowieso tief in den Spülkasten greifen, um die Spülung betätigen zu können. Danach sind auch die Hände - mehr oder weniger - sauber...
| Tag 78: |
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Mérida |
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| Tag 79: |
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Mérida / Monterrey |
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| Tag 80: |
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Mérida / Tabay |
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| Tag 81: |
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Mérida / Pico Espejo (4765 m) |
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