¡Lo Mejor Del Mundo!
Auf der Suche nach dem besten Kakao der Welt
|
|
|
Negros, Blancos, Mestizos...
Venezuela ist das erste Land, in dem man mich nicht sofort als "Gringo" oder "Yankee" erkennt. Und das hat einen ganz einfachen Grund: Ich falle kaum noch auf!
Die 23 Millionen Venezuelaner sind alles andere als eine homogene Einheit.69 % der Venezuelaner sind Mestizen oder Mulatten, 20 % sind Weiße, 9 % sind Schwarze und eine verschwindend geringe Anzahl von 2 % sind Indianer. Also eine komplett andere Zusammensetzung als in Bolivien. Und das Erstaunlichste daran: Im Laufe der Geschichte Venezuelas hat es kaum Reibereien zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen gegeben. Egal ob Schwarz, Weiß oder Braun, jeder kann ein Bettler, Angestellter, Arbeiter, Polizist oder Manager sein. Somit ist Venezuela eines der wenigen Länder, in denen es in den letzten 100 Jahren praktisch keine Unterschiede zwischen den verschiedenen Rassen gegeben hat.
Im Gegenteil. Sowohl die Venezuelaner, als auch die Venezuelanerinnen (!) sollen die Schönheiten jeder Rasse in sich vereint haben. Oftmals kann man dieser Feststellung nur beipflichten...
 |
Venezuelanische Bierwerbung...
Mehr Infos und venezuelanische Musik gibt's hier (Nein, ich werde nicht von Polar-Bier gesponsert... ;o)) |
|
Am folgenden Tag möchte ich auf eigene Faust mit einem Boot nach Chuao fahren, erfahre aber dann, dass Jacques auch dorthin will. Also fahren wir spontan zusammen. Jacques ist ein Lehrer aus Frankreich - genauer gesagt kommt er aus dem Elsass und von daher spricht er auch ein paar Worte Deutsch. Doch die meiste Zeit unterhalten wir uns auf Spanisch.
Nach harten Verhandlungen finden wir einen Bootsfahrer, der uns für einen annehmbaren Preis nach Chuao fahren möchte. Gar nicht so einfach, besonders da das Dörfchen Chuao nur über Wasser zu erreichen ist. Es liegt zwar auf dem Festland, ist aber ringsum von Bergen umgeben. Der schnellste Landweg dorthin entspräche mindestens einem Tagesmarsch durch den Dschungel.

Die Fahrt ist beeindruckend. Das Boot hüpft über große Wellenkämme gen Osten. Nach einem kurzen Zwischenstopp an einem einsamen Strand geht es weiter nach Puerto Chuao. Von Chuao aus müssen Jacques und ich erst einmal laufen. Gar nicht so einfach. Die Hitze ist unerträglich und wir kommen bei den nur 4 Kilometern zwischen Bananenplantagen, Kakaoplantagen und Urwald ganz schön ins Schwitzen. Auf dem kurzen Weg müssen wir immerhin zwei Pausen machen.
Es hat einen guten Grund, dass Chuao einst, wie fast alle Dörfer an der Küste, weiter im Landesinneren gebaut wurde: Zum Schutz vor den zahlreichen Piratenangriffen, die diese Küste Jahrhunderte lang heimgesucht haben.
Puerto Chuao
Kakaopflanze
Endlich in Chuao angekommen, setzen wir uns sofort in ein schattiges Restaurant und genießen ein eiskaltes "Polar"-Bier mit frischem Fisch dazu. Dabei lassen wir es uns natürlich nicht entgehen, auch etwas von dem sagenumwobenen Kakao von Chuao zu probieren. Und wirklich: Er schmeckt unbeschreiblich! So etwas habe ich bis jetzt noch nie getrunken. Noch anders ausgedrückt: Ich erkenne den Geschmack vom heimischem Kakao, den man sich morgens in die Milch kippt, nicht wieder.
Wir müssen unbedingt etwas von dem Zeug kaufen und gehen zu einem kleinen Laden. Jacques fragt, ob es stimmt, dass dieser Kakao der Beste von Venezuela sei.
"¡Lo mejor del mundo!" - "Der Beste der Welt!" korrigiert ihn der fröhliche schwarze Ladeninhaber mit weit ausholenden Armen.
Chuao
Nicht nur ich habe Probleme mit der Hitze...
Mit dem "Besten Kakao der Welt" in den Händen setzen wir uns in einen altersschwachen Bus der uns zurück nach Puerto Chuao bringt. Jetzt mag man vielleicht denken, dass ich inzwischen komplett verweichlicht bin. Ich höre schon Stimmen sagen: "Da will der mit dem Rad durch Südamerika und kann nicht mal 4 Kilometer zu Fuß laufen!"... "Die Hitze ist wirklich unbeschreiblich! Nun glaubt mir doch!" denke ich mich verzweifelt darauf antworten.
Playa de Chuao
Wir setzen uns noch eine Weile gemütlich an den Strand und hüpfen zwischendurch in die erfrischenden Fluten. Jetzt am Nachmittag sind verhältnismäßig viele Menschen am Strand. Und was für welche! In Bezug auf Venezuelanerinnen meine ich. Also... naja... ich kann nur sagen... So weit nach unten ist mir die Kinnlade sicher noch nie gefallen! Vergiss Baywatch! Wow... Warum könnte ich nicht einfach hier bleiben und diesen "Ausblick" genießen?

Der Bootsmann wollte uns im 16.30 Uhr wieder abholen. Jetzt haben wir allerdings ein Problem: Wir haben den Namen unseres Bootes vergessen! Wir versuchen uns bei anderen Leuten durchzufragen, doch keiner kann uns helfen. Einer fragt uns: "Welche Hautfarbe hatte euer Fahrer denn?"
"Schwarz"
"Ha! Da könnt ihr lange suchen! Die sind doch alle schwarz hier!"
Wir waren tatsächlich dumm genug, im Voraus die Hin -und Rückfahrt zu bezahlen! Ich hege schon wieder Mordgedanken gegen alle südamerikanischen Bootsmänner, doch just in diesem Augenblick kommen die beiden in die Bucht gefahren und winken uns zu. Juchhu! Wir sind doch nicht verloren! Naja - zumindest nicht ganz. Vor den Klippen fällt noch kurz der Motor aus, doch das ist dem Gesichtsausdruck des Fahrers nach zu urteilen nicht der Rede wert.
Krachmacher
Eigentlich wollte ich am gleichen Abend noch weiter nach Maracay. Ich verwerfe diesen Plan wieder, da der Bus nach Maracay zu lange brauchen würde und ich den Anschluss nach Mérida heute nicht mehr erreichen würde. Mein Geld geht zu Neige und es gibt hier weit und breit keinen einzigen Geldautomaten. Da kommt es gerade recht, dass Sibylle, die Besitzerin der Posada, morgen mit ihrem Freund nach Maracay fahren will. "Wenn Du willst, kannst Du auf dem LKW mitkommen".
Und so ergibt es sich, dass ich zur nachtschlafenden Zeit von 6 Uhr (für venezuelanische Verhältnisse) aufstehe. Die Sonne steht am Horizont und ich nehme in der morgendlichen Frische noch ein entspannendes Bad im Pool. Die hiesige Tierwelt scheint etwas verwundert, dass sich in dieser Frühe schon ein Mensch hier blicken lässt. Eine dicke Kröte kreuzt meinen Weg und ein zierlicher Kolibri beginnt mich neugierig zu umflattern.
Parque Nacional Henri Pittier

Dann geht es auf den LKW. Es werden noch zwei Fernseher und eine Kiste mit Fischen auf die Ladefläche gepackt und los geht es. Ich stehe mit einem Venezuelaner hinten auf der Ladefläche und lasse mir den Wind um die Nase wehen, während der beeindruckende Gebirgsurwald links und rechts an uns vorbeizieht. Beim Tanken blicke ich mit großen Augen auf die Tankanzeige und frage - inzwischen vollkommen Perplex! - meinen Mitfahrer:
"60 Liter für 4000 Bolivianos??? Da ist, doch ein Haken dran, oder?"
"Nö, wieso?" antwortet er und fügt noch hinzu "Ich weiß ja, dass es in letzter Zeit ziemlich teuer geworden ist."
Was?! Verdammt! Man bekommt hier 30 (dreißig!) Liter Diesel für 1 (einen!) Euro und 10 Cent!
In der Vorstadt Maracays geht das Fortkommen ziemlich zögerlich vonstatten. Man geht noch frühstücken, die Fernseher und den Fisch abliefern, hält hier und da noch ein Schwätzchen und, und, und...
Meine Zeit rennt. Ich blicke bereits auf den Sekundenzeiger und mein Blut beginnt bei jeder weiteren roten Ampel zu kochen. Noch 10 Minuten bis der Bus nach Mérida abfährt! Endlich setzt man mich vor einem Einkaufszentrum ab, ich verabschiede mich hastig, suche fix einen Geldautomaten, hüpfe in das nächste Taxi und lasse mich im Eiltempo zur Busstation fahren. Geschafft!
Als ich den Ticketschalter erreiche, sitzt der Busfahrer noch dort und hält gemütlich ein Schwätzchen. Wie sehr ich diese südamerikanische Schluderigkeit doch manchmal liebe!
30 Liter zum Preis für einen
Beim betreten des Busses folgt ein Schock. Oder besser: Ein Lachschock? Ich könnte mich fast auf dem Boden kringeln vor Lachen.
Die Geschichte ist die: Jeder hat mich vor dem Überlandbus nach Mérida gewarnt: "Der hat eine sehr starke Klimaanlage und Du musst Dir unbedingt warme Sachen anziehen!"
Iwo! Pustekuchen denke ich mir! Bis jetzt war es mir in Venezuela immer zu heiß - da kommt mir so eine Klimaanlage gerade recht! Also spaziere ich gut gelaunt in den Bus und was ich dann erblicke, sind lauter Venezuelaner, die sich vor Kälte kaum retten können: In Mütze, Schal, Handschuhe, dicke Jacken und lange Hosen eingepackt sitzen Sie da und sind trotz der dicken Kleidung noch blau vor Kälte angelaufen.
Dagegen stehe ich hier in kurzer Hose, einem T-Shirt und Sandalen. Ich setze mich neben eine nette Venezuelanerin und frage sie ein wenig im Scherz:
"So kalt kann es doch nicht sein, oder?
"W...w...wie?! Ist D...d...dir denn nicht k...k...kalt?!" antwortet sie mit erstauntem Blick auf meine kurze Kleidung. Ein komisches Volk...
Während der 13 Stunden dauernden Fahrt haben wir genügend Zeit uns zu unterhalten. Sie heißt Carolina und kommt aus Ciudad Guyana, übrigens einer der heißesten Städte Venezuelas. Da scheint man solche "Kälterekorde", wie die 18°C hier im Bus, gar nicht gewöhnt zu sein. Und warum sie nach Mérida fährt? Sie möchte das erste Mal in ihrem Leben Schnee sehen...
| Tag 76: |
|
Choroní - Chuao - Choroní |
|
| Tag 77: |
|
Choroní - Maracay - Mérida |
|
|