Abschied von der Südhalbkugel
ein letzter Tag in Lima

Klostrudelspekulationen
Es waren einmal die Simpsons. Jetzt mag man sich natürlich fragen: "Was verdammt noch mal haben gelbe Comicfiguren aus Nordamerika mit diesem Reisebericht gemeinsam?!"
Nun, man mag diese Serie mögen oder nicht. Allerdings hat mich eine Folge dieser Zeichentrickserie so sehr beeindruckt, dass sie an dieser Stelle einfach noch einmal Revue passieren lassen möchte. Es ging in gewisser Weise um die humorvolle Behandlung des Nord-Süd-Konflikts. Nun gut: Eines Tages streiten sich Bart und seine klügere Schwester Lisa aufs schärfste darum, in welche Richtung sich der Wasserstrudel bei der Klospülung dreht. Sie sagt rechts, er sagt links. Alles hilft nichts, Bart bekommt den Strudel in der Klospülung nicht dazu nach links zu drehen. Um ihre Theorie zu untermauern sagt Lisa, dass sich auf der Südhalbkugel der Strudel links herum dreht. Das wurmt Bart so sehr, dass er auf der Südhalbkugel herumtelefoniert und alle Leute fragt, wie herum sich der Strudel bei ihnen dreht.
In der Antarktis hat Bart wenig Glück. Der Wissenschaftler an der Polarstation lässt ihn wissen, dass das Klo eingefroren sei. Allerdings ließe sich erkennen, dass die Spülung links herum läuft.
In Südamerika gelangt er an das Autotelefon eines schwarzen Mercedes. Fluchend hebt ein grauhaariger Greis mit schmalem Schnauzer den Hörer ab. Im Hintergrund kommt gerade ein Radfahrer vorbei, hebt die rechte Hand und ruft ein kräftiges "Buenos dias, Führer!" zum Gruß aus. Der Herr Führer will Bart leider nicht sagen, wie herum sich die Klospülung dreht...
Bart versucht es in Australien. Ein kleiner Farmjunge nimmt das R-Gespräch aus den USA an und sagt Bart, dass seine Toilette nicht mit Wasser funktioniert. Allerdings hätte sein Nachbar eine Toilette mit Wasserspülung. Also legt der Junge den Hörer zur Seite, steigt auf sein Fahrrad und fährt zum 30 Meilen entfernten Nachbarn. Dort dreht sich das Wasser auch links herum.
Was folgt, ist eine politische Krise zwischen den USA und Australien wegen eines nicht bezahlten R-Gesprächs. Doch das ist eine andere Geschichte...


Ich packe meine Sachen so, dass alle schweren Lebensmittel im Flug nicht dabei sind. Danach mache ich mich auf den Weg zur Busstation in Ica und erstehe für 10 S/. ein Ticket nach Lima. Für das Fahrrad will man wieder ein kleines Bestechungsgeld von mir haben und mit 5 S/. gibt man sich zufrieden. Mir ist jetzt nur noch daran gelegen, dass ich rechtzeitig und problemlos nach Lima komme. Ich bin mal wieder der einzige "Gringo" im ganzen Bus und werde bei allen meinen Handgriffen oftmals von aufmerksamen Augenpaaren begafft.
Während der Fahrt sehe ich auf der linken Seite den unruhigen Pazifik im Dunst liegen; Das erste Mal, seitdem ich Antofagasta zu Beginn meiner Reise verlassen habe. Am rechten Straßenrand der Panamericana stehen trostlose Hütten, in denen Seeigelfischer leben. Die haben ein entbehrungsreiches Leben und müssen täglich über die hohen Klippen runter ans Wasser steigen um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Im Busfernsehen läuft eine Kopie des US-Propagandastreifens "Nos fuimos heroes - Wir waren Helden". Und immer, wenn ein US-Soldat stirbt, oder verletzt wird, spüre ich die Blicke der um mich Sitzenden auf mir haften. Verdammt! Sehe ich denn so sehr wie ein Nordamerikaner aus!?!? Es wird Zeit, dass ich aus diesem Land heraus komme und wieder einen Tapetenwechsel bekomme. Ich bin inzwischen viel zu leicht reizbar.

In Lima darf ich mein Rad im Gepäckdepot der Busstation stehen lassen, was allerdings noch einmal extra Geld kostet. Danach lasse ich mich im Taxi in den noblen Stadtteil Miraflores fahren. Ich möchte erst einmal etwas essen und einen Blick auf den Pazifik werfen. Der Taxifahrer erzählt mir viel über das Bankenviertel San Isidro mit seinen Wolkenkratzern und darüber wo man in Miraflores am besten essen und das Meer sehen kann.
Dort angekommen sehe ich mich erst einmal ein wenig um. Ganz schön nobel hier. Das erste Mal seit langer Zeit sehe ich richtige Kaufhäuser und die Restaurants scheinen auch nicht von schlechten Eltern zu sein - zumindest was die Preise betrifft. Da hungere ich lieber und gehe in Richtung Meer. Irgendwie ist es komisch hier. Überall stehen noble Häuser mit teuren Karosserien davor und trotzdem sieht man nur wenige Menschen. So überhaupt nicht südamerikanisch.


Océano Pacifico

Die Stadt endet an einer steilen Klippe an der sich der Parque del Amor befindet. Von hier aus starten Paraglider zu ihren Flügen. Mit wenig Anlauf hüpfen sie in den Abgrund und werden sofort von den Aufwinden nach oben getragen. Danach schweben sie in niedriger Höhe über den Klippenrand und umrunden die Hochhäuser. Oft kommen sie einem dabei so nahe, dass man den Kopf einziehen muss.
Ich denke darüber nach, dass dies mein letzter Tag auf der Südhalbkugel ist. Was wollte ich denn noch erledigen? Ach ja! Genau! Ich nehme mein Handy und führe das teuerste Telefongespräch auf dieser Reise. Im heimischen Hamburg frage ich einen Freund, wie herum sich bei ihm die Klospülung dreht. Immerhin: Nach einer Weile hat er den Spaß verstanden...



Ich nehme mir wieder ein Taxi um direkt ins Zentrum von Lima zu fahren. Ich unterhalte mich wieder einmal viel mit dem Taxifahrer und er fragt mich vieles über Deutschland und meinen Beruf. Als ich ihm sage, dass ich etwas mit Flugsimulation zu tun habe, zeigt er mir stolz seinen Dienstausweis und sagt mir, dass er als Fluglotse im Tower vom Aeropuerto de Lima arbeitet.
"Und warum fahren Sie dann Taxi?" frage ich in verwirrt?
"Och, einfach nur zum Spaß. Um von den nervigen 4-Stunden-Schichten am Bildschirm wegzukommen."
4 Stunden?! In Deutschland haben Fluglotsen Schichten von einer Stunde! Das beruhigt mich nicht besonders, da mein Leben morgen in der Hand von einem seiner Kollegen liegen wird.
Und dann fragt er mich noch, was ich von Beziehungen zwischen Homosexuellen halte. Das scheint momentan ein ganz großes Thema in Perú zu sein, welches die Peruaner unheimlich wurmt. "Da gibt es tatsächlich Schwule, die heiraten und ein Kind adoptieren dürfen!" sagt er mir mit Abscheu. Und wieder werde ich gefragt, wie das in Deutschland denn so ist. Und wieder antworte ich, dass es mir eigentlich ziemlich wurscht ist wenn die heiraten, das aber auf der anderen Seite recht abstoßend finde. Ich hoffe mal nicht, dass es an meiner Person liegt, dass ich das immer wieder gefragt werde. Oder sehe ich für die Peruaner so aus?! Hmpf...
In der Innenstadt gehe ich noch etwas essen bevor ich mich zu Fuß auf den Rückweg zur Busstation mache. Zwischendurch gehe ich noch in ein Internet-Café, das sich direkt über einem Laden befindet, der "katholische Güter", also Krutzifixe, Maria-Statuen und ähnliches verkauft. Man geht eben mit der Zeit...

Mir steht eine Übernachtung am Flughafen bevor und ich decke mich noch mit Lebensmitteln ein. Für nicht einmal 5 Euro kaufe ich mir auf dem Markt zwei Stücke Schokoladenkuchen, ein Stück Kirschtorte, 2 Empanadas mit Käse, einen halben Liter Joghurt, 3 Brötchen mit Reibeplätzchen und 2 Liter Wasser. Das sollte fürs Erste reichen.

Ich packe meine Taschen und meinen Drahtesel in einen Toyota Combi und lasse mich für 15 S/. vom Taxifahrer zum Flughafen bringen. Bei einem kurzen Stopp an einer Tankstelle fällt mir beim Anblick der Preistafel die Kinnlade runter. 10 S/. für einen Liter Benzin?! Das wäre ja das Doppelte von dem Preis in Deutschland! Der Fahrer bestätigt meine Vermutung und schiebt gleich ein paar schmollende Worte darüber hinterher, dass Perú dass teuerste Benzin auf der Welt habe. Bei diesen Preisen kann ich mich nur wundern, dass er mich für 15 S/. zum Flughafen bringen kann. Bei dieser Rechnung bleibt ja kaum noch etwas für den armen Menschen übrig!
Am Flughafen hilft er mir noch beim Packen des Fahrrades und wir verabschieden uns voneinander.

Ich schiebe mein Rad durch die dichten Menschenmassen im Terminal, wechsle meine Sóles in Doláres und suche mir ein ruhiges Plätzchen. Es gibt keine Aufzüge und ich muss mein schweres Rad über die Treppen schleppen. Den Rest des Abends hole ich Tagebucheinträge nach und höre Musik. Viele Südamerikaner interessieren sich für mein bepacktes Rad und fragen nach meinem Woher und Wohin. So langsam gehen mir diese ständig gleichen Fragen auf die Nerven, andererseits sind diese Leute alle sehr nett und aufgeschlossen.
Gegen 12 Uhr kuschle mich in meinen Poncho und lege mich auf die Isomatte. Gute Nacht Perú...


Tag 69:
Laguna Huacachina - Lima (Aeropuerto)


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