|
Machupicchu
|
|
Heute wollte ich endlich mal ausschlafen. Ich wollte...
Um kurz nach 8 klopft es laut. Die Tochter der Herbergsmutter steht vor der Tür und bittet mich fast flehend darum, dass ich den Raum jetzt verlasse. Eine Gruppe von 19 Amerikanern sei angekommen, erklärt sie mir mit abstoßendem Blick. Natürlich sind die Nordamerikaner nicht beliebt, aber wenn man 19 von ihnen gegen einen Europäer austauschen kann, bringt das schon eine Menge mehr Geld in die Kasse... Widerwillig packe ich meine Sachen.
Als kleine Wiedergutmachung bekomme ich ein Frühstück umsonst. Während ich mein Milchpulver aufkoche, unterhalte ich mich mit Kevin aus Neuseeland und Ken aus Seattle (das, wie er mir versichert, gar nicht wirklich zu den USA gehört - da bin ich ja beruhigt...)
Nach dem Frühstück lasse ich mein Fahrrad wieder im Hotel zurück und mache mich nur mit Rucksack und Lenkertasche auf den Weg zur Avenida Grau. Von hier fahren Busse nach Urubamba, wo ich wiederum umsteigern muss, um meinen Zug in Ollanta zu bekommen. Eine Frau fragt mich, ob ich mit ihr im Taxi nach Urubamba fahren möchte. Doch damit wir für 10 S/. bis nach Ollanta kommen, fehlen dem Taxifahrer noch 2 Fahrgäste. Nach langem Warten wird mir das zu bunt. Ich steige in den nächsten Bus und lasse mich für 3 S/. nach Urubamba fahren.
Fahrt nach Urubamba
Markt in Urubamba
Von Urubamba geht es weiter in einem Toyota-Kleinbus nach Ollanta. Zwischen den 25 (!) anderen Fahrgästen findet man noch Platz für mich, ich bekomme ein Kind auf den Schoß und schon reicht der Platz für alle. Nichts ist unmöglich...
Ollanta ist einmalig - zumindest für das Südamerika, das ich bis jetzt kenne: Es gibt einen großen Parkplatz auf dem die Touristen mit ihren über die Speckbäuche baumelnden Kameras in Massen angekarrt werden. Das erste Mal bekomme ich in Südamerika ein Gefühl wie auf dem Großglockner zu sein. Unter den Verkäufern auf dem Markt gibt es sogar Deutsche und viele Leute geraten ganz aus dem Häuschen weil sie das erste Mal in ihrem Leben ein Lama sehen... Da muss ich nun durch. Ich will einmal im Leben die alte Ruinenstadt Machupicchu gesehen haben. Sozusagen: Koste es was es wolle!
Ollanta
Von hier aus geht es nur noch mit dem Zug weiter nach Aguas Calientes, das unterhalb von Machupicchu im Tal liegt. Straßen dorthin gibt es angeblich keine und so werde ich schnell um rund 10 Doláres erleichtert. Die Fahrt mit den Bussen hat übrigens zusammengerechnet einen Dollar gekostet. Abends fährt dann endlich der Zug ab. Neben mir sitzt ein peruanischer Junge, der mich die ganze Fahrt lang mit Fragen über Deutschland und Fahrräder löchert. In Aguas Calientes möchte er mir das Hotel seines Onkels zeigen, doch leider verlieren wir uns auf dem Bahnsteig aus den Augen. So muss ich mich selbst auf die Suche machen und ich habe es dabei nicht gerade leicht. Entweder sind die Hotels nicht geöffnet, wollen mindestens 10 Doláres pro Nacht haben, nehmen mich als einzelne Person nicht an, oder sind schlicht und ergreifend überfüllt. Es ist zum Mäusemelken!
Nach harten Verhandlungen bekomme ich endlich ein 3-Bettzimmer dass ich aber morgen früh schon wieder verlassen muss. Irgendwie sehne ich mich schon wieder nach meinem einfachen Leben auf dem Fahrrad zurück...
Der Dejavú-Effekt... - Machupicchu
Früh morgens werde ich von den Handwerkern im Hotel geweckt. Es dämmert schon und ich möchte Machupicchu vor Sonnenaufgang erreicht haben. Ich nehme gleich den zweiten Bus, zahle horrende viereinhalb Doláres, und lasse mich über die zahlreichen Serpentinen nach oben fahren. Bevor ich überhaupt nach Machupicchu hereingelassen werde, muss ich noch einmal 20 Doláres abdrücken und endlich stehe ich vor der Kulisse, die sich wohl jeder Perú-Urlauber vor seinem Urlaub erträumt: Der Blick auf die Ruinenstadt Machupicchu mit dem spitz dahinter aufragenden Waynapicchu.
Ja genau! Dieser kleine Zipfel da hinter der Ruinenstadt ist der Waynapicchu. Sieht so groß gar nicht aus, denke ich mir. Warum also nicht einfach mal da oben hochsteigen?
Der Weg zum Waynapicchu
Blick auf das "winzige" Machupicchu vom Waynapicchu
Erst wundere ich mich noch darüber, dass man sich vor dem Aufstieg in einem dicken Buch registrieren muss; dann sehe ich den Grund: Der Aufstieg verläuft in abenteuerlichen Windungen an der Steilwand nach oben. Keuchend schleppt sich ein Mensch nach dem anderen die Felsstufen aufwärts und man hangelt sich oftmals an dicken wenig Vertrauen erweckenden Halteseilen entlang. Laut dem dicken Buch bin ich heute Nummer 225...
Doch der Ausblick entschädigt sowohl für den großen Andrang als auch für die Strapazen! Wow...
Man hält sich so gut es geht auf den großen Felsbrocken hier oben fest. Es ist eine super Stimmung unter den Leuten, die es hier hoch geschafft haben. Ich treffe auch Amie und Laura wieder.
UND: Das Highlight schlechthin: Ich sehe Spuren von Meerschweinchen aus freier Wildbahn! Es sind zwar nur Ködel neben einer Ruine - naja - aber immerhin!
Waynapicchu
Treppen von Machupicchu in das Urubamba-Tal
Ich gehe mit Amie und Laura zurück nach unten, wo Andrea wartet und zusammen machen wir uns auf den Abstieg in das Tal nach Aguas Calientes. Am Abend beginnt wieder meine schweißtreibende Odyssee nach einer Unterkunft. Viel zu spät wird mir klar, dass heute der peruanische Nationalfeiertag ist. Ich hätte es wissen sollen. So ein Mist! Ich habe noch viel größere Schwierigkeiten etwas zu bekommen, als gestern. Jeder, der ein Zimmer vermietet, weiß, was das heute Wert ist. Ich könnte ein 4-Bettzimmer in einer privaten Unterkunft für 25 /S. pro Bett bekommen. Pro Bett wohlgemerkt: Ich müsste sie alle vier bezahlen! Es reicht! Ich frage, ob ich vielleicht meinen Schlafsack in der Eingangshalle ausbreiten darf. Ich darf: Das kostet aber 10 S/. und ich ärgere mich, dass ich meine Isomatte in Cusco gelassen habe. Naja, nach einer Weile erbarmt sich Herbergsmutter dazu mir wenigstens eine Matraze zu geben.
Ich gehe wieder im gleichen Restaurant wie gestern essen und die Kellnerin freut sich schon, da ich ihr wieder ein paar Worte Deutsch beibringen könnte. Ich bin deprimiert und schlecht gelaunt. Ich antworte ihr nur auf Spanisch. Eigentlich hätte ich freundlicher zu ihr sein können, doch auf einer Reise gibt es immer wieder einmal Momente, die man im Nachhinein nicht nachvollziehen kann...

Mein Handy "klingelt" um 4.45 Uhr. Die Herbergsmutter hüpft schon durch das Hostal und weckt alle Leute, die heute mit dem Zug zurück nach Ollanta fahren möchten. Der Zug wird um 5.45 abfahren. Ich mache mich mit Andrea, Laura und Amie auf den Weg zum Bahnhof. Heute sind wir noch mal einen Tag zusammen unterwegs.
Während sich der Zug auf dem steilen Weg talaufwärts kämpft, schleicht sich das Licht der Sonne langsam in das tiefe Tal. Schließlich erreichen wir die Inka-Ruinen von Ollanta. Von hier aus geht es im Taxi für 11 S/. die Nase zurück nach Cusco. Zwar ist das teurer als der Bus aber wir sind damit um Stunden schneller in Cusco. Genauer gesagt: Nach nur einer Stunde Fahrt kommen wir im 100 Kilometer entfernten Cusco an. Wir gehen zurück in unser altes Hostal, wo ich mein Gepäck aus dem Depot hole und mein Frühstück nachhole. Nach dem Mittagessen verabschiede ich mich dann doch schweren Herzens von den Dreien - immerhin war ich über eine Woche mit ihnen unterwegs.
Ich packe mein Rad und mache mich auf den Weg zur Busstation. Ich werde noch einmal ein großes Stück auf motorisiertem Wege zurücklegen. Mein Abflug ist in weniger als 5 Tagen und Lima ist noch mehr als 1100 Kilometer entfernt. Ich möchte wenigstens noch ein bisschen von Perú sehen. Ich hole mir noch telefonisch die Bestätigung für meinen Abflug (ich soll um 3 Uhr nachts zum Check-In erscheinen!) und steige in den Nachtbus nach Nasca.
Bis zur ersten Station sind wieder Ambulatorios, wie man die fliegenden Händler nennt, im Bus. Ein Verkäufer preist so lange die unglaublichen Vorteile seiner Getreide-Riegel an, bis er fast jedem Fahrgast einen davon verkauft hat. Ein Junge versucht es mit angeblich Wunder wirkenden Karamellbonbons. Meine Sitznachbarin und ich amüsieren uns die ganze Zeit darüber und unterhalten uns den Abend durch über alles Mögliche, wie zum Beispiel die spanische Raubkopie von "Ghost Ship", die gerade am Fernsehen läuft. Sie findet diese Spanischen Übersetzungen schrecklich. Dass "die Spanier immer so viel lispeln müssen! Sind die denn nicht einmal in der Lage ein vernünftiges 'S' zu sprechen?"
|
"Billigste" Fahrtroute nach Machupicchu (Stand 2003)
von der Avenida Grau in Cusco mit dem Bus nach Urubamba (0,75 US$)
von Urubamba mit dem Colectivo nach Ollanta (0,38 US$)
von Ollanta mit dem Zug (tren social con coche backpacker) nach Aguas Calientes (10 US$)
von Aguas Calientes per Bus (4,50 US$ ida) oder zu Fuß nach Machupicchu
Diese Preise sind alle für oneway/ida. Die return bzw. ida y vuelta kostet also Alles in Allem das Doppelte + 20 US$ Eintritt in Machupicchu!
|
| Tag 63: |
 |
Cusco - Aguas Calientes |
|
| Tag 64: |
 |
Aguas Calientes / Machupicchu |
|
| Tag 65: |
 |
Aguas Calientes - Cusco - Nachbus nach Nasca |
|
|