Der Nabel der Welt: Cusco

Nachtleben im Nabel der Welt...


Wir erreichen Cusco mitten in der Nacht nach einer relativ ruhigen Fahrt über Asphaltstraßen und schlafen noch bis etwa 6 Uhr auf frei gewordenen Sitzplätzen. Mein Fahrrad ist mir jetzt ganz egal - ich bin einfach nur müde.
Amie, Andrea und Laura nehmen sich ein Taxi, während ich den Weg bis zum verabredeten Treffpunkt alleine mit dem Fahrrad zurücklege. Gar nicht so einfach wenn alle Straßen in Quechua beschildert sind und mein Reiseführer sie in Spanisch ausweist. Wir bekommen ein Gruppenzimmer in einer kleinen Unterkunft namens Hostal Familiar mit einem tollen Ausblick auf die Plaza von Cusco. Die Übernachtungen werden immer teurer. Im Verhältnis zu Bolivien ist es hier mit 11 Sóles (Kürzel: S/.), also knapp 3 Euro pro Nacht, schon recht teuer. Voller Motivation gehen wir in die Stadt, wir wollen eine Tour über den Inkatrail buchen, doch werden ziemlich schnell enttäuscht. Es ist erst in 10 Tagen wieder etwas zu bekommen - der Inkatrail auf voller Länge ist sogar über eine noch längere Zeit "ausgebucht"! Alles Suchen bringt nichts. Schon gar nicht, wenn man weniger als 160 Dólares für die drei Tage bezahlen will.


Cusco


Plaza de Armas


Das Werk von Außerirdischen?

Also entscheiden wir uns dazu, den preiswertesten Weg in die Ruinenstadt Machupicchu zu nehmen: Eine Kombination aus Bahn und Bus. Man könnte zwar auch von Cusco aus direkt mit der Bahn fahren, allerdings kostet sie ab hier rund 50 Doláres. Es gibt zwar auch einen Zug für unter 5 Doláres, doch der ist für Touristen verboten...
Heute schlendern wir erst einmal über den Markt und genießen den Abend in den zahlreichen Discos, die es um die Plaza herum gibt. Es gibt hier ein beeindruckendes Nachtleben und die Plaza ist selbst noch spät in der Nacht voll mit Menschen. Überall erhält man Gutscheine für Freigetränke und freien Eintritt. Nun ja, ich bin mit drei Mädels sowieso bevorteilt: Kein Türsteher weist unsere Gruppe ab und wir müssen nirgends warten. Dumm nur, dass ich nicht den ganzen Abend genießen kann. Die Kombination aus einer schlechten Spinatsauce zum Abendessen und größeren Mengen Cuba Libre hauen ganz schön rein...


Reiten in den Bergen über Cusco

Am nächsten Tag ist Pferdereiten angesagt. Ein Gaucho spricht uns auf der Plaza an und Laura vereinbart mit ihm einen Preis von 15 S/. für drei Stunden. Wir setzen uns alle in ein Taxi und rasen hoch in die Berge über der Stadt. Hier will der Gaucho plötzlich 20 S/. haben. Ein Glück, dass Laura eine so verdammt harte Verhandlungspartnerin ist. Zähneknirschend einigt sich der Gaucho mit ihr auf 2 Stunden für 15 S/. - dann ist es dunkel und es kommen sowieso keine Touristen mehr.
Mehr als 15 Sóles ist mein Pferd auch nicht wert. Kaum sitze ich auf diesem Giftzwerg, versucht er schon mit mir durchzubrennen. Hiiiieeelffeeee!!! Die anderen rufen mir alle gut gemeinte Ratschläge hinterher, doch dieser dämliche Gaul reagiert auf nichts. Mistvieh! Ich würde Dir gleich in die Fresse treten, wenn ich nicht auf Dir sitzen würde! Ich möchte doch mal behaupten, dass diese als meine erste Erfahrung mit Pferden nicht gerade die Positivste ist... Wie gut, dass die Anderen den Gaul schließlich anhalten und ich gegen den von Laura tauschen darf. Dafür kommt dieses Tier zwischendurch im Wald auf den Gedanken, doch mal hops einen großen Galopp durchzuführen. Mein armer Hintern! Mein Fahrradsattel ist mir doch ein wenig lieber.
Gemeinsam mit einem 16 Jahre alten Jungen als Führer reiten wir an verschiedenen beeindruckenden Ruinen vorbei und genießen den tollen Ausblick auf die Stadt und die Berge in der Umgebung. Die Tempel sind wirklich beeindruckend.
Der Templo de la Luna - der Mondtempel - ist zum Beispiel von außen gar nicht als solcher zu erkennen. Erst wenn man sich innerhalb dieses großen Felsen befindet, kann man nur über die fein gearbeiteten Wände im blanken Fels staunen. Diese Bauwerke geben wirklich Rätsel auf. Wie konnte man nur so etwas erbauen ohne die entsprechenden Werkzeuge zu haben und das in einer Kultur, in der nicht einmal das Rad erfunden war? Leider gibt es kaum schriftliche Überlieferungen - die Inkas hatten keinerlei Zeichenschrift und erst die Spanier haben das Ein oder Andere zu Papier gebracht.


Templo de la Luna


Ovalo Pachacutec

Am nächsten Tag reißen bei mir die Fäden. Meine Tage in Perú neigen sich dem Ende zu und Andrea, Amie und Laura wollen die Fahrt nach Machupicchu wieder um einen weiteren Tag hinauszögern. So schön das Reisen mit ihnen auch ist, in den letzten Tagen gab es doch so einige Indifferenzen und auf Dauer kann ich wohl nicht mit ihnen unterwegs sein. Ich habe gerne mal ein paar nette Abende, aber die Drei wollen heute schon wieder ausgehen. Dieses Mal auf ein Konzert, an dem ich nicht das geringste Interesse habe. Wir entscheiden uns dazu, dass es besser ist, wenn wir uns vorerst voneinander trennen. Ich brauche einfach mal wieder einen ruhigen Tag für mich.
Doch heute ist es schon zu spät um noch nach Machupicchu aufzubrechen. Andrea, Amie und Laura fahren schon mal mit dem Bus nach Urubamba, wo heute Abend das Konzert stattfinden soll. Ich werde also doch noch einen weiteren Tag in Cusco verbringen.

Nun versuche ich die Stadt ganz auf meine eigene Art zu entdecken: Per Fahrrad. Dazu will ich mich noch über eventuelle Flugmöglichkeiten nach Lima informieren. Wenn mir das gelingt, hätte ich für das beeindruckende Umland von Cusco noch mehr Zeit, müsste aber auf andere Sehenswürdigkeiten in Perú verzichten.
Es ist seltsam. Kaum dass ich wieder alleine bin, läuft mir ein spanischer Reiseradler über den Weg. Er kommt aus Barcelona und hat dafür einen sehr ungewöhnlichen Namen: Jack. Am Abend treffen wir uns noch einmal im Hostal. Wir reden unsere geplanten Routen und Jack kauft mir meinen Faltmantel für 100 S/. ab. Er ist total glücklich, dass er ein so seltenes Ersatzteil für seine weitere Reise nach Bolivien von mir bekommen konnte. Zumal es, einen 28 Zoll Stollenmantel in Südamerika zu bekommen, schon geradezu eine utopische Vorstellung ist. Bleibt nur zu hoffen, dass ich dieses Ersatzteil auf dem Rest meiner Reise nicht mehr brauchen werde...


Tag 60:
Cusco
Tag 61:
Umland von Cusco
Tag 62:
Cusco


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