La Isla del Sol

Aus dem Reise Know-How Peru Bolivien:
Die kleine Insel liegt etwa 20 km nördlich von Copacabana und hieß ursprünglich Titicachi, davon leitet der Titicacasee seinen Namen ab. Nach einer Inka-Legende war hier der Geburtsort des hellhäutigen Schöpfergottes Wiracocha, des ersten Inca Manco Capac und dessen Frau bzw. Schwester Mama Ocllo. Damit wurde für die Quechua und Aymará nicht nur die Insel, sondern auch der Titicacasee heilig.
Letztendlich soll die Isla del Sol also die Keimzelle des Inka-Imperiums sein. Auf der Sonneninsel gibt es einige Ruinen und viele terrassierte Hänge, die aber der Tiwanakuzeit zuzuordnen sind ... Eine Rundwanderung über die Insel gehört mit zum Eindruckvollsten, was der Titicacasee zu bieten hat...


Noch bevor der Wecker um 7 Uhr klingelt, werde ich wach und beginne meine Sachen zu packen. Das Rad und mein Gepäck kann ich bis zu meiner Rückkehr von der Isla del Sol in einem Lagerraum des Hotels abstellen, in den folgenden drei Tagen werde ich nur meinen blauen Rucksack gebrauchen. Das Frühstück im Hotel verläuft ziemlich chaosmäßig. Das Meiste bekommen wir erst nach mehrfacher Anfrage oder gar nicht und so ergibt es sich, dass wir alle zu verschiedenen Zeiten am Anleger eintreffen. Dort muss das nächste Problem bewältigt werden: Ich kann mein gestern gekauftes Ticket nicht mehr finden, doch der Señor ist so freundlich und stellt mir kostenlos ein zweites Ticket aus, da er sich noch an uns erinnern kann.


Laura und Andrea

Im letzten Moment gelangen wir auf eines der vollen Boote, da man uns sonst auf die Fahrt heute Nachmittag verschoben hätte. Der Seegang ist heute wieder ziemlich heftig und wir fahren 90 Minuten hart gegen die hohen Wellen an. Die Ersten stürzen schon an die Reling und entleeren geräuschvoll ihren Magen, während ich doch eigentlich nur gemütlich dort sitzen wollte... Kaum jemand kommt wie Laura und Amie auf die Idee, die Fahrt auf dem Dach zu genießen und das, obwohl man die Wellen hier oben wie in einem Vergnügungspark genießen kann.


La Escalera del Inca

Nach unserer Ankunft auf der Insel werden wir sofort von kleinen Jungs belagert, die uns ihre Dienste als Träger offerieren - und das nicht ohne Grund: Vom Anleger müssen wir über eine alte Inkatreppe mehrere hundert Höhenmeter zum Dorf hoch laufen. Amie läuft mit ihrem schweren Rucksack leichtfüßig voran, Andrea ist schlau genug ihren Rucksack von einem der Jungs tragen zu lassen und ich bin dumm genug meinen leichten Rucksack "heldenhaft" gegen den tonnenschweren Rucksack von Laura einzutauschen. Ich bin ja echt am rätseln, wie Frauen ihre Rucksäcke nur so schwer bekommen können!
Keuchend schaffen wir es nach ganz oben bis zum Residencial Puerta del Sol, von wo aus sich uns eine atemberaubende Aussicht bietet. Ich bin total beeindruckt von den Zimmern; man hat von hier einen noch viel schöneren Ausblick auf den unter uns liegenden Lago Titicaca.


Residencial Puerta del Sol

Im nahe gelegenen Restaurant müssen wir uns schon einmal an eine Eigenart dieser Insel gewöhnen: Das lange Warten. Die nette Señora mit der quietschigen Stimme ist mit voller Motivation dabei, doch alles scheint Stunden zu dauern - als wenn die Lebensmittel erst produziert werden müssten. Matt hat die Insel inzwischen auch auf abenteuerlichen Wegen erreichen können; er ist den gesamten Weg bis zur Insel so weit wie möglich zu Fuß gelaufen und hat dann mit einem kleinen Boot übergesetzt. Und obwohl er total geplättet ist, schließt er sich uns auf einer kleinen Wanderung zu am Ufer liegenden Inka-Ruinen an.
Kurz vor der Ankunft dort merken wir mal wieder, dass diese Insel touristisch um einiges besser erschlossen ist, als der Rest Boliviens. Ein Schild am Zaun sagt uns: "Extranjeros 5Bs, Nacionales 2Bs". Hmpf... ich will's ja positiv sehen...

Wir gehen runter ans Wasser, wo gerade ein paar Bolivianer eine Mole neu aufbauen. Amie und Laura zeigen jetzt erst mal, dass sie aus Finnland kommen. Sie ziehen sich bis auf die Unterwäsche aus und springen ins eiskalte Wasser, um eine kurze Runde zu drehen. Andrea und ich können uns dazu nicht wirklich überwinden und Matt hat sich sowieso in meinen Poncho verliebt und liegt damit schlafend auf einem Felsen. Die verdatterten Blicke der Bauarbeiter auf Amie und Laura sind Gold wert und ich würde mich bei deren Anblick am liebsten auf dem Boden kringeln vor Lachen.
Bei eintretender Dämmerung wird es merklich kälter und wir machen uns wieder auf den Rückweg zum Residencial.

Am nächsten Morgen stehen wir kurz nach Sonnenaufgang auf und beginnen unsere Wanderung rund um die Insel. Matt ist in einem anderen Residencial untergebracht und möchte heute ausschlafen. Wir folgen einem alten Inkaweg auf und ab über die Berge gen Norden und immer wieder gibt es tolle Ausblicke. Nach etwas mehr als zwei Stunden erreichen wir die Piedra Sagrada - den heiligen Stein - sowie die Chincana-Ruinen. Dies ist der Ort von dem laut den Mythen der Inkas ihr großes Reich seinen Ausgang genommen haben soll.

Auf dem Weg nach Cha'llapampa kommt uns eine große Touristengruppe entgegen, darunter Froydis und Raw. Ich treffe die beiden nun schon zum dritten Mal seit der Tour in der Pampa...
Kurz danach holt uns Matt ein und wir setzen unseren Weg gemeinsam fort. In Cha'llapampa gibt es einen tollen weißen Strand, der zusammen mit der Landschaft durchaus das Flair eines wunderschönen Mittelmeer-Strandes vermittelt. Dumm nur, dass das Wasser hier im Lago Titicaca verdammt kalt ist und das, obwohl wir hier auf den Breitengraden diverser Südsee-Paradiese liegen. Dazu wird der Strand ständig von einer Sippe niedlicher kleiner Schweine sauber gehalten, die hier die Funktion einer Putzkolonne übernommen haben.
Während wir auf unser Essen warten, sind vier Kinder total vernarrt in Laura und noch viel mehr in ihre bunten Luftballons. Es ist sehr schön, dass man hier im Norden der Insel kaum noch das Wort "Gringo" hört. Während wir an einer Schule vorbeigehen, wird uns von allen Kindern auf dem Schulhof in fast ohrenbetäubendem Lärm immer wieder freudig "¡Hola!" hinterher gerufen. Die Kinder im nächsten Dorf lassen sich von uns nicht stören, da sie mit dem Erfinden von neuen Spielen beschäftigt sind. Am Strand hat man eine Flasche zum Spielzeugschiff umgebaut und an der nächsten Ecke schiebt ein Junge eine Schubkarre mit zwei Freunden darin vor sich her. Einer von den Insassen hält eine Flasche vor das Rad der Karre, womit das Geräusch eines Motorrades imitiert wird. Nach ein paar Metern stürzen sie in den Sand und die restlichen Kinder im Dorf können sich vor Lachen kaum halten...


Playa de Cha'llapampa

Am folgenden Tag kehren wir auf das Festland zurück. Während sich die anderen noch um Geld & Co. kümmern, möchte ich mein Rad und das Gepäck wieder im Hostal abholen. Der Señor an der Rezeption sagt mir nur, dass der Chef gerade nicht da sei und er den Schlüssel zu dem entsprechenden Lagerraum nicht hat. Aber El Chefe käme ja um 4 Uhr wieder aus La Paz zurück, dann käme ich wieder an mein Rad. Wie bitte?!?! Da ist mein Bus schon längst weg! Am liebsten möchte ich ihm an die Gurgel springen, als er mit ausgebreiteten Armen vor der verschlossenen Tür steht und er mich fragt: "Und was nun?"
Aber ich könnte ja in einer halben Stunde noch einmal wieder kommen. Vielleicht hat er dann die Besitzerin aufgetrieben. Es ist jetzt 11.30 Uhr und der Bus nach Puno in Perú fährt um 14.00 Uhr. Innerlich wutschnaubend gehe ich erst mal zum Essen mit den anderen und in mir reißen ein paar Nervenstränge. Ich rege mich furchtbar darüber auf, dass diese Bolivianer nie etwas organisiert bekommen. Ich habe den Chef doch am Montag erst gefragt, ob es möglich ist, das Rad in ein bis zwei Tagen wieder abzuholen. "No hay problema" war die typische Antwort.
Eine dreiviertel Stunde später gehe ich zurück und zu diesem Zeitpunkt hat man sich natürlich noch längst nicht um den Schlüssel gekümmert. Und tatsächlich: Die Frau vom Chef hat den besagten Schlüssel. Dumm nur, dass in besagtem Lagerraum weder mein Fahrrad, noch mein Gepäck zu finden sind!!! Ich bin kurz davor diesem |zensiert| an die Gurgel zu springen und werfe den hinter mir stehenden und kichernden Frauen ein paar leise Flüche entgegen. Und als ich kurz davor bin, sie mit allen mir bekannten spanischen Schimpfwörtern zu versehen, entdeckt man mein Rad. In meinem alten Zimmer! Ich bin mit den Nerven am Ende... Da kann selbst Fernando, dem ich kurz danach wieder über den Weg laufe, meine Laune nicht bessern.


Tag 56:
Copacabana - Isla del Sol
Tag 57:
Wanderung auf der Isla del Sol
Tag 58:
Isla del Sol - Puno (Perú)


Zurück | Übersicht | Weiter