Eine liebenswerte Nation

Ich habe eine Weile darüber nachgedacht, ob ich die nun folgenden Tage in einem einzigen "Kapitel" zusammenfassen soll. Aus folgenden Gründen habe ich mich nun dafür entschieden:
Ich versuche mit den folgenden Text und den Fotos ein wenig davon begreiflich zu machen wie unglaublich vielfältig dieses Land ist und wie viele neue Erlebnisse man an einzelnen Tagen machen kann...


Nach einem langen Abend muss ich schon wieder um 7 Uhr aufstehen. Hans will heute mit Andrea, Amie und Laura an einer Urwald-Tour teilnehmen und Sindy, Donat und ich wollen uns noch beim Frühstück von ihm verabschieden. Andrea kommt noch dazu und nach kurzer Zeit verabschieden wir uns von den beiden. Im Nachhinein finde ich es schade, dass ich Hans nur unwürdig mit einem kurzen "Tschüss" verabschiedet habe, immerhin waren wir einige Tage miteinander unterwegs und er war mir auf der Straße immer ein guter Reisepartner. Auf jeden Fall wünsche ich ihm noch alles Gute für seine Reise. Immerhin ist er bereits in Feuerland aufgebrochen und möchte noch bis nach Caracas. (Nun zur Weihnachtszeit, wo ich diese Zeilen schreibe, ist er bereits in Kolumbien und genießt seine Reise immer noch in vollen Zügen)


Aeropuerto Rurrenabaque

Nicht lange danach folgt ein weiterer Abschied. Spontan bekommen Donat und Sindy doch noch einen Platz im heutigen TAM-Flieger nach La Paz und sind total glücklich darüber. Ich fahre ihnen mit dem Fahrrad voraus zum Flugplatz und nun kommt wieder eines meiner Hobbys zur Geltung: Das Fotografieren von Flugplätzen. Dieser hier hat seine ganz eigene Atmosphäre. Neben dem kleinen Abfertigungshaus mit Fenstern aus Moskitonetzen gibt es nur ein paar Rinder und ein einige baufällige Hütten. An der kleinen Flugplatzkneipe komme ich mit einem ehemaligen Piloten ins Gespräch und darf einen Blick in den Tower und auf die Personalseite des Abfertigungshauses werfen. Donat und Sindy wundern sich nicht schlecht, als sie mich an der anderen Seite des Ticketschalters sehen...
Oben im Tower werde ich das Gefühl nicht los, dass Fluglotsen in Bolivien Beamte sind. Mir gegenüber sind sie vollkommen gleichgültig und während das einzige Flugzeug weit und breit mit ohrenbetäubendem Propellergeräusch hereintrudelt herrscht absolute Betriebsamkeit: Man liest Zeitung!


Nationalfeiertag

Heute ist Nationalfeiertag. Wieder wird einem der unzähligen Kriege in der Geschichte Boliviens gedacht und wieder hüpfen prächtig gekleidete Tanzgruppen durch die Straßen. In San Buenaventura auf der anderen Seite des Río Bení ist heute der Bär los. Ich nehme mein Rad mit auf eines der kleinen Boote, die heute rappelvoll sind und tauche ein in das laute Getümmel auf der anderen Seite des Flusses. Hier merkt man, dass die Bolivianer voll und ganz Patrioten sind. Motorräder und Autos sind mit Bändern in den Farben der Nationalflagge bestückt und überall sieht man tanzende und lärmende Menschen. Und das erste Mal in Bolivien sehe ich auch Bolivianer, die ihre Kameras zücken und die vielen Tanzgruppen fotografieren. Was anderes kommt dem Bolivianer sowieso nicht vor die Linse...


Ruta nach Pando und Brasilien

Hinter San Buenaventura wird es schnell ruhiger und ländlicher. Ich tauche in den Urwald. Auf einer Piste, über deren Existenz sich nicht einmal die Reiseführer einig sind. Nun denn, es gibt sie und würde ich dieser Piste immer, immer weiter folgen, würde ich nach vielen entbehrungsvollen Tagen an versteckten Coca-Plantagen vorbei das brasilianische Cobija erreichen. Leider muss ich davon Abstand nehmen. Ich habe auf diesem kurzen Ausflug kein Gepäck dabei und drehe nach etwa 30 Kilometern wieder um. Vielleicht ein anderes Mal... Bestimmt.
Wieder einmal treffe ich auf kleine Kinder, die begeistert meinen Helm antatschen und ihm unbedingt aufsetzen wollen. Ich habe ihn wegen der Hitze nur am Lenker hängen und ein kleiner Junge findet den glänzenden "Casco" total faszinierend. Ich kann schon gar nicht mehr zählen wie viele Bolivianer, ob groß oder klein, diesen Helm schon auf ihrem Kopf hatten. Doch nach einer Weile wendet der Junge sich wieder seinen Ziegen zu und zieht weiter.

Die Sonne ist noch nicht überm Horizont zu sehen, als ich am nächsten Morgen aufstehe, nur ein dünner Leuchtstreifen im Osten lässt die Dämmerung erahnen. Heute fliege ich zurück nach La Paz - zurück auf das Altiplano - zurück in eine Baumlose Ebene mit einem unglaublich klaren Himmel. Eine Landschaft, die sich vom Amazonastiefland kaum mehr unterscheiden könnte.
Ich fahre zum Büro der Transportes Aereós Militares, kurz TAM. Beim Check-In zeigt sich wieder das lockere Improvisationstalent der Bolivianer. Kurzerhand wird ein Holzbrett herbeigeschafft, um auch mein Rad auf die kleine Fußwaage stellen zu können. Was dabei herauskommt ist weniger ermutigend. Ich übersteige die erlaubten 15kg Gesamtgewicht mit 48kg doch beträchtlich... Der Angestellte hat keinen Taschenrechner zur Hand und so berechnet er das Übergewicht auf 30kg, was für mich einen Extra-Betrag von 90 Bolivianos (etwa 11 Euro) bedeutet. Danach müssen die Passagiere bis 9 Uhr auf ihren Abtransport warten. Das Gepäck wird auf einem Pick-Up verstaut und ich muss höllisch aufpassen, dass mein Rad nicht vergessen wird. Und schon folgt das nächste Problem: Vor der Abfahrt weigert sich ein Engländer standhaft, die 5 Bolivianos (60 Cent) für den Airport-Shuttle zu berappen. Er kann nur Englisch und der Fahrer fordert ihn immer wieder in Spanisch zum Bezahlen auf. Das ganze geht so lange hin und her, bis einer militärisch gedrillten Israelin der letzte Nerv reißt und sie den Engländer verbal in den Erdboden stampft. Da sieht man, dass deren Mentalität mit Haaren auf den Zähnen auch mal zu etwas gut sein kann!
Wir erreichen den Flugplatz gerade in dem Moment als das Flugzeug schon einrollt. Der Engländer bekommt erst recht einen hochroten Kopf, als ich ihn vorsichtig darauf hinweise, dass er noch die Flughafensteuer von 6 Bolivianos und die Touristensteuer von einem Dollar zu entrichten hat...


Übergang auf das Altiplano


Fly 'n Cycle mit Transportes Aeréos Militares

Nach einer Weile sitze ich endlich im Flugzeug. Wir bekommen Ohropax von einer stämmigen Stewardess im Flieger-Overall und die Triebwerke werden angelassen. Auf der holprigen Piste wird das Flugzeug schneller und schneller, die Räder lösen sich vom Boden und in meinem Hinterköpfchen meldet sich wieder eine fröhliche Stimme: "Ich fliege!"
Doch am Fliegen selbst kann ich mich dieses Mal kaum begeistern, viel glücklicher bin ich darüber, dass ich nicht 24 Stunden auf schlimmsten Pisten in einem Bus verbringen muss. Mein Fahrrad liegt kopfüber in der Küche gleich hinter dem Cockpit und ich kann den ganzen Flug über sicher gehen, dass es unbeschadet bleibt. Unter mir kann ich im Dunst der Wolken das lange Band des Río Bení ausmachen, das sich bis zum Fuß der Anden durch dichten Urwald schlängelt. Das Flugzeug steigt und steigt. An einem Punkt stoßen die Anden auf das höher gelegene Altiplano und plötzlich, ohne überhaupt in den Sinkflug übergegangen zu sein, haben wir die Landschaft ganz nah unter uns. Das Flugzeug beginnt sich zu schütteln und kämpft sich bis vor La Paz durch viele Turbulenzen und Luftlöcher. Auf der Landebahn des Aeropuerto Internacional del Alto setzt es dann nach mehrmaligem Abtitschen sicher auf.


Auf dem höchstgelegenen Flughafen der Welt

Beim Aussteigen empfängt mich die kühle dünne Luft des Altiplanos. Die Sichtweiten sind wieder unglaublich - man kann bis zu den entferntesten Gipfeln schauen. Ich werde kurzatmig und habe leichte Kopfschmerzen. Es ist unglaublich: In der kurzen Zeit im Amazonastiefland habe ich meine gesamte Akklimatisation wieder verloren!


Wieder in La Paz

Wieder komme ich in den Genuss, die Autobahn bis nach La Paz hinterrollen zu können, wobei mich ein kleiner Colectivo-Bus fast in den Abgrund rammt und ich im Ausweichmanöver um Haaresbreite eine am Straßenrand stehende Indígena-Frau überfahre.
Die Suche nach dem Hotel, in dem ich Donat und Sindy treffen wollte, gerät zu einer Farce. Wie es bei Bolivianern so ist, beschreiben sie einem immer und liebend gerne den Weg. Allerdings heißt das noch lange nicht, dass diese Beschreibung oder die Richtungsweisung auch stimmen muss. Innerhalb von zwei Stunden kräftezehrender Fahrt quer durch die steilen Gassen der Altstadt habe ich bestimmt 20 Leute nach dem Weg gefragt und 20 unterschiedliche Antworten bekommen! Der Höhepunkt ist die Polizeistation. Wie ich später herausfinde, ist sie nur 30 Meter vom besagten Hotel entfernt - nicht einmal dort wusste man etwas über das Hotel und hat mich gleich an die andere Seite der Altstadt geschickt! Nun ja, ich habe die Adresse dann im Internetcafé am Computer herausgefunden. Gelobt seien die technischen Segnungen der Neuzeit...
Am Ende hätte ich am liebsten nur noch jeden treten wollen... Zu allem Überfluss kam noch ein junger Mann vom brasilianischen Fernsehen daher, der total happy war, endlich mal einen Reiseradler für seine La Paz Dokumentation vor die Linse zu bekommen. So habe ich ihm noch schnell ein entnervtes Interview auf Englisch gegeben und weiter nach dem Hotel gesucht...


Der Präsidentenpalast

Den Rest des Tages lasse ich ruhig verlaufen um meine Höhenkrankheit abklingen zu lassen. Ich gehe ins nächste Restaurant um etwas zu essen und massenweise Koka-Tee in mich hereinzukippen. Dazu nehme ich noch Paracetamol und einige Stunden erholsame Bettruhe im Hotel. Als Donat und Sindy am Abend im Hotel ankommen, fühle ich mich schon viel besser. Wir gehen ins Kino und schlendern auf dem Weg dorthin über die Märkte: Terminator 3 in Englisch mit spanischem Untertitel. Und das Schönste ist, dass der Film, dessen Eintritt 22 Bolivianos kostet, 300 Meter vor dem Kino für 15 Bolivianos auf CD zu haben ist...


Kantutani

Am nächsten Tag begeben sich Sindy und Donat auf die Yunga-Tour, die ich bereits auf dem Weg nach Rurrenabaque gemacht habe. Ich nutze den Tag um noch einige Dinge zu erledigen und mich wieder besser an die Höhe zu gewöhnen; morgen soll es mit dem Fahrrad weiter zum Lago Titicaca gehen.
In der Deutschen Botschaft sind endlich meine neuen Bremsklötze angekommen. Während ich so über den Prado laufe und den Brief meiner Mutter lese, ist um mich herum großer Trubel. Ein sehr berühmter Dirigent wird heute zu Grabe getragen und überall stehen Polizisten in schwerer Montur, um unter anderem wichtige Persönlichkeiten wie den Präsidenten zu schützen.
Ständig lauern tolle Motive auf mich. Meine 24 Diafilme neigen sich langsam dem Ende zu und ich habe Mühe noch weitere 15 Stück zu bekommen. Ich versuche in mehreren Läden im Preis zu handeln und überall lässt man mich wissen, dass die Preise für Filme schon viel zu scharf kalkuliert seien. Eine Verkäuferin fragt mich wie viele ich denn haben möchte und schlägt kurz darauf die Hände über dem Kopf zusammen: "15?!" So viele hat sie in ihrem ganzen kleinen Laden noch nie verkauft und so laufe ich mit ihr noch durch die halbe Innenstadt, um endlich die geforderte Menge zusammen zu bekommen.


El Prado


Wandgemälde an einer Schule


Staatsbegräbnis eines Dirigenten


Gut gerüstet für den im Herbst kommenden Staatsstreich...


...da überlegt man sich einen Banküberfall gerne zweimal

In der Nähe meines alten Hotels gehe ich in den kleinen Musikladen von Eddy Lima, von dem ich schon viel Positives gehört habe. Eddy ist heute leider nicht da, allerdings kann mich das Mädchen in dem Laden auch sehr gut beraten. Die Atmosphäre ist wirklich schön. Wir hören verschiedene CDs und unterhalten uns dabei über Gott und die Welt. Zwischendurch tippselt eine Taube auf die Türschwelle und das Mädchen lässt mich wissen, dass sie jeden Tag zu Besuch kommen würde. Sie beginnt die Taube durch den ganzen Laden zu jagen, bis sie die Taube endlich handzahm in der Hand hält und das Tier zufrieden gluckst. Lustig. Zum Abschied bekomme ich noch eine bolivianische Panflöte als Geschenk. Sie versucht mir noch zu zeigen wie man darauf spielt, allerdings habe ich dabei recht wenig Erfolg. Ich werde noch üben...


Rupedigu!


Lamaföten auf dem Hexenmarkt

Am Abend möchte ich von El Alto aus noch ein paar Fotos von La Paz im Sonnenuntergang schießen. Ich steige in einen der Colectivos in die Oberstadt und suche mir dort oben einen Weg durch die Slums zu einem schönen Aussichtspunkt. Das mag verrückt klingen, doch die Slums machen hier keinen so verkommenen Eindruck wie in anderen Ländern und bestehen fast durchweg aus festen Steinhäuschen. Dumm ist nur, dass ich mir nach den vielen positiven Erfahrungen in Bolivien gar nicht bewusst mache, dass El Alto als ärmste Stadt Boliviens mit 80% Arbeitslosigkeit für Fußgänger nicht gerade das sicherste Pflaster ist. Mit dem Fahrrad hat das nie ein Problem dargestellt, aber heute werde ich sofort von einem seltsamen Mann angesprochen, dass ich ihm doch bitte Geld für Tequila geben solle. Klar gebe ich ihm aus verständlichen Gründen nichts. Wieso auch? Und erst recht nicht für Tequila. Ich verlasse den Aussichtspunkt, allerdings habe ich nun diesen Idioten auf den Fersen. Während ich ruhig zur Hauptstrasse mit Taxis und Colectivos gehe, wird er immer aufdringlicher und beginnt sogar an meiner Hand zu zerren welche in der linken Hosentasche halte. Dumm für ihn, dass das Portemonnaie bei mir rechts liegt und ich links nur die Objektivkappe meiner Kamera in der Tasche habe. Innerlich baut sich in mir eine riesige Wut über dieses Arschloch auf. In meinen Gedanken schlage ich ihn schon kurz und klein und trete ihm mal kräftig zwischen die Beine. Allerdings sagt mir eine Stimme im Hinterkopf, dass er bei all dieser Dreistigkeit sicher ein locker schwingendes Messer hat und zwischen all den Menschen ist man nie davor gefeilt, dass er auch einen uns folgenden Komplizen haben könnte. Dieser Idiot ist dann noch dumm genug, die ganze Zeit auf meine Kommentare und ein Gespräch einzugehen, ohne es dabei zu etwas kommen zu lassen. Außerdem sorge ich die ganze Zeit dafür, dass wir durch dichte Menschenmassen laufen. Zwischendurch verliere ich noch "zufällig" meine Discman-Tasche, die er mir großzügig hinterher trägt - nur um dann noch dreister zu werden, weil ich ihm immer noch kein Geld geben will. Ich versuche mich beherrscht bei ihm zu bedanken und bekomme nur zur Antwort: "Ihr scheiß Gringos! Könnt immer nur 'Gracias', 'Gracias', 'Gracias' sagen aber wollt nie Geld rausrücken!" Ich muss mich echt beherrschen meine Hand nicht ausrutschen zu lassen. Ich steige dann in eines der Colectivos (einen der Minibusse) ein und er folgt mir sogar dort hinein. Nach 50 Metern stockender Fahrt im dichten Verkehr habe ich die Schnauze voll und steige wieder aus - ohne ihn abwimmeln zu können. Kein Taxi hält für mich. Toll! Gerade jetzt!
Danach geht es so weit, dass ich seine Hand flink in seine Tasche gleiten sehe. Messer oder Pistole? Egal. Was ich nicht sehe, kann mich nicht stören. Ich senke den Blick, drehe mich ruhig um und gehe zum nächsten Colectivo, wo ich mehr Glück habe. Die Passagiere und der Fahrbegleiter setzen sich dafür ein, dass dieser Idiot doch bitte den Wagen verlassen soll, da er ja sowieso nichts bezahlen will. Er weigert sich strickt und auch das Zerren an seinem Hemd bringt nichts. Ich bin kurz davor ihn mit einem kräftigen Tritt nach draußen zu befördern. Daraufhin legt der Fahrer ein abruptes Manöver ein und stoppt dann mit offener Tür vor zwei Polizisten. Der Idiot verlässt ziemlich flink von alleine den Wagen. Allerdings nicht, ohne vorher noch eine Seitenscheibe fast kaputt zu schlagen. Man fragt mich besorgt, ob er mir etwas getan habe und setzt mich ein paar Stationen weiter wieder ab, da dieser Bus in die falsche Richtung fährt.

Im Nachhinein nicht gerade ein Positives Ereignis, das für diese Stadt sprechen würde. Allerdings hat der Einsatz der anderen Menschen mir gezeigt, dass sich so ein Dieb und Betrüger sogar hier im ärmsten Teil Boliviens auf ziemlich verlorenem Posten befindet. Dabei sei noch anzumerken, dass sich Bolivien auf der "Hitliste" der reichsten Länder weltweit auf Platz 114 befindet! Mord und Totschlag hat demnach also viel weniger mit der Armut der Menschen zu tun, als mit ihrer Mentalität. Und von der Mentalität der Bolivianer bin ich in dieser Hinsicht echt begeistert!

Ich lasse mich in einem über 20 Jahre alten Taxi zu einem schöneren Aussichtspunkt fahren. Dort arbeiten gerade zwei Bauarbeiter an einem Häuschen und sie fordern mich bereitwillig auf, doch ein Foto von ihnen zu machen. Fast vergessen ist die schlechte Erfahrung die ich mit einem einzigen Menschen nur weniger hundert Meter von hier entfernt hatte. Ich biete ihnen an, dass ich es ihnen das Foto zuschicken kann und mangels Alternativen geben sie mir die Adresse ihrer Kirche und kommen gleich aufs Thema: Ich würde doch wohl an Christus glauben, oder? Sie fragen mich mehrmals, um auch ganz sicher zu gehen. Denn er sei schließlich der Einzige, der absolut einzige Prophet! Mit den Leuten hier kann man darüber so oder so nur sehr begrenzt diskutieren und ich stimme zu. Natürlich finde ich auch die evangelische Kirche ganz toll, zu deren sehr kleinen Gemeinde in La Paz sich die beiden hier zählen...


La Paz mit Strom

La Paz ohne Strom

Und während ich noch so auf die Stadt hinabblicke und auf den Sonnenuntergang warte, wundere ich mich, dass nur die Innenstadt und die nähere Umgebung beleuchtet sind. Und als die Sonne schließlich hinter dem Horizont verschwunden ist, sehe ich plötzlich in der ganzen Stadt die hell erleuchteten Stadtteile einer nach dem anderen dunkel werden... Man sieht nur noch die Lichter der Autos, die sich durch die Straßen ziehen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll...
Die Menschen im Kleinbus zurück in die Stadt erzählen mir, dass dies der erste Stromausfall überhaupt sei - oder zumindest seit Jahren! So ganz kann das nicht stimmen. Überall sind innerhalb kürzester Zeit Kerzen hervorgekramt worden und die ganze Stadt wird von den kleinen Flammen erleuchtet. Nur die Autos liefern zusätzliches Licht. Die Fernsehsender berichten unaufhaltsam über den großen Stromausfall in der größten Stadt Boliviens: "La Paz 47 Minuten ohne Strom". Die Rückkehr des Stroms kündigt sich lautstark an: Die Handys fangen wieder an zu piepsen...
Und noch etwas, warum etwas an der Geschichte mit den "Jahren ohne Stromausfall" nicht ganz stimmen kann: Aus anderer Quelle habe ich erfahren, dass zum Beispiel der jetzige Präsident seine Wahl einem Stromausfall verdankt. Um 18 Uhr viel am dem Wahltag im Juli 2002 fiel der Strom aus. Zu dieser Zeit hatten noch nicht viele Leute gewählt und alle Wahlcomputer stürzten ab. Man hat danach schlicht den einfachsten Weg gewählt: Die bereits abgegeben Stimmen wurden gezählt und der jetzige Präsident wurde Präsident. Zumindest bis zum Herbst 2003...

Tag 51:
Rund um Rurrenabaque
-Tacho defekt-
Tag 52:
Rurrenabaque -(Flugzeug)- La Paz
-Tacho defekt-
Tag 53:
La Paz


Zurück | Übersicht | Weiter