Gold und dreckige Dólares
3 Tage in einem Goldgräbernest
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Aus dem Lonely Planet Bolivia:
(habe ich leider erst Wochen später gelesen)
"Guanay-Boat - Alternatively, you may be able to organize a canoe along the Río Beni to or from Rurrenabaque. While this mode of transport was
quite popular only a few years ago, boat operators' demands for
unreasonable prices and the practice of filling canoes to dangerous
levels with cargo and nonpaying passangers have just about destroyed
the option. Canoes comfortably hold 10 people and their luggage, and
initial asking prices for the trip to Rurrenabaque will be around
US$250. However, that price may or may not get you to Rurrenabaque,
and there's little chance you'll arrive without all sorts of goods and
passengers. If that doesn't bother you, then don't complain that you
haven't been warned! In this respect, Guanay seems happy to pass up an
opportunity to create a potentially lucrative economic base by
promoting relatively unobtrusive tourism."
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Tag 1: Der Wahnsinn beginnt.
Wir haben Probleme ein Restaurant zu finden, in dem es auch zum Frühstück mal was anderes als Reis, Kartoffeln und Fleisch (würg!) gibt - ein fast unmögliches Unterfangen.
Dann beginnt die Odyssee mit der Suche nach einem Boot: Schon gestern hat uns der Apotheker neben unserem Residencial einen ersten Schlag in den Bauch versetzt. Wir können gerne mit seinem Boot fahren, sagt er uns; aber nur für 300 US$! Überzeugt davon, dass diese Preisvorstellung vollkommen unrealistisch ist, machen wir uns auf den Weg zum Bootsanleger und informieren uns dort über Fahrtmöglichkeiten nach Rurrenabaque, was im Slang der Leute hier im Übrigen einfach nur "Rurre" oder "Suse" genannt wird.
Nummer 1 sagt uns, dass es morgen nur den "Expresso" gäbe - für 300 US$! Nein danke! Und alle sagen sie uns, dass gestern erst ein Boot gefahren sei. Toll! Was bringt uns das jetzt?!?
Nummer 2 sagt dann, dass am Donnerstag (oder war's Freitag?) ein Boot fahren soll. Na, immerhin!
Nummer 3 ist der Punto Entel, die Telefonzentrale. "Nein, das Boot fahre erst am Sonntag; für 30 US$ pro Nase", sagt man uns dort. Das ist uns dann doch ein wenig zu spät. Wir haben gerade erst Dienstagmorgen.
Nummer 4 ist ein Bootsfahrer, der gerade mit einer Ladung Einheimischer von Flussabwärts (also aus der richtigen Richtung) angekommen ist. Auch er sagt uns, dass er uns für 300 US$ als "Expresso" fahren würde. Das ist uns viel zu teuer! Wir würden 30 US$ pro Nase bezahlen! Dann können wir uns ja ein Floß bauen, scherzt er, sagt es und zieht sich zum Geldscheine zählen in sein Boot zurück.
Das ist doch total verrückt! Diese hochnäsigen Idioten sind vom Boden der realen Welt scheinbar total abgehoben! Mich regt diese Arroganz wahnsinnig auf. Nur weil alle paar Wochen tatsächlich mal eine US-amerikanische Touristengruppe vorbeikommt und tatsächlich dumm genug ist, diesen Preis zu bezahlen, meinen die Bootsleute sich das bei jedem Touristen erlauben zu können. Leider gibt es hier im Gebirge keinen Flugplatz - für den gleichen Preis könnte man sich gleich ein Flugzeug chartern! Eine direkte Straßenverbindung nach "Rurre" gibt es von hier nicht.
Am Abend machen Hans und ich noch einen Rundgang durch alle Unterkünfte der Stadt und fragen überall nach "Extranjeros", den Ausländern. Wir hoffen uns mit anderen Touristen zusammenschließen, um den Preis für den jeden Einzelnen zu senken. Wir können es nicht glauben: Im ganzen Dorf finden wir nicht einen einzigen "Gringo"!
Guanay
Tag 2: Heute soll es mit dem Bus nach Rurre gehen, allerdings müssen wir dafür erst einmal zurück nach Caranavi kommen. Die ganze Strecke der vorletzten beiden Tage wäre umsonst.
Doch Hans gibt sich noch nicht geschlagen und meint, dass wir es ja noch einmal am Bootsanleger versuchen könnten.
Doch im Punto Entel gibt es immer noch nichts Neues.
Gestern haben wir im Residencial am Bootsanleger einen Jungen von der lokalen Fußballmannschaft getroffen, der uns sagte, dass ein Boot am Freitag mit seiner Mannschaft zu einem Spiel nach Rurre aufbrechen würde. Er und seine Mutter sind total verwirrt darüber, dass man uns gesagt hat, dass erst am Samstag ein Boot fahren soll. Also fragen wir noch einmal im Punto Entel nach und unter Zähneknirschen sagt man uns, dass auch dann ein Boot fahren würde. Noch zähneknirschender bejaht man meine energische Anfrage, ob wir mit diesem Boot fahren können. Es würde morgens um 7 Uhr losfahren. Ich habe alles andere als ein gutes Gefühl dabei aber Hans möchte es versuchen. Ich nur sehr ungern, da mir dadurch - falls alles klappt - nur zwei weitere Tage meiner Reise verloren gehen würden. Letztendlich entscheide ich mich aber auch dafür.
Hans hat eine Computerschule gefunden, in der er seinen letzten Bericht für Globetrotter zu Ende schreiben kann. Ich verbringe den Tag damit, erneut mein Rückrad zu flicken (2 Löcher) und mit dem Rad zum Benzin "einkaufen" zu fahren. Der Tankwart fragt mich ein wenig verdutzt, was ich denn mit dem halben Liter Benzin an meinem Rad wolle. "Naja, damit ich schneller fahren kann!" antworte ich ihm todernst. "Achso, hätte ich ja eigentlich wissen müssen." erwidert er bestürzt und macht sich ans Füllen der Flasche.
Am Mittag schlendere ich mit Hans ein wenig durch das Dorf, um überhaupt etwas von der Umgebung zu sehen während wir hier "absitzen". Überall finden sich Schilder wie "Compra de Oro" (Ankauf von Gold) oder "Compra de Dólares" (Ankauf von Dollars) an den Hauswänden und es lungern nicht wenige zwielichtige Gestalten in den Straßen herum. Zum "Ausgleich", könnte man sagen, sind die jungen Frauen erstaunlich freizügig gekleidet und bei genauerem Hinsehen scheint es nicht wenige anstößige Etablissements zu geben. Wir passieren über die Hängebrücke über den verschmutzten "Goldfluss" und sehen uns das Dorf von einer Anhöhe aus an. Von hier sieht es so friedlich aus. Wenn man einmal davon absieht, dass immer wieder Menschen mit voll beladenen Schubkarren auf die Hängebrücke kommen, ihren gesamten Müll in den Fluss kippen und scheinbar guten Gewissens wieder zurück ins Dorf gehen.
Naja, eben ein richtiges bolivianisches Goldgräbernest das dem legendären Wilden Westen wohl nur in der Optik um ein wenig nachsteht.
Der verdammte Bootsanleger
Tag 3: Der Tag des Wartens.
Hans geht wieder in die Computerschule, um dort seinen Bericht weitertippen zu können, und ich mache mich auf die Suche nach den Goldsuchern in den Bergen. Das ist nicht sonderlich schwierig, da ich mit meinem Rad einfach nur dem schmutzigen Fluss folgen muss. Es geht durch schöne Urwaldlandschaft immer wieder auf und ab und ich kann vom Glück reden das heute ein wenig Wind herrscht und der Himmel beinahe komplett bedeckt ist und trotzdem fließt mir der Schweiß in Strömen über den Körper. Ein Jeep kommt mir entgegen und der Fahrer fragt mich neugierig nach meinem Ziel. Bis zu den Minen wären's nur noch 10 Minuten, sagt er mir freudig...
20 Minuten später stehe ich an einer Weggabelung. Rechts geht es steil bergab und links geht der Weg auf gleicher Höhe weiter in die Berge. Wieder kommt ein Jeep vorbei und der Fahrer fragt mich, ob ich die Minen oder lieber mehr Selva sehen möchte. "Minen!" antworte ich kurz. Ok, dann müsse ich rechts runter, sagt er mir und quält seinen Jeep selbst den Abhang hinunter. Es ist so extrem Steil, dass meine Reifen blockieren und kaum noch Halt finden.
Unten treffe ich den Fahrer bei ein paar Holzhütten wieder und er zeigt mir den Fußweg zu den Minen. Nach ein paar Metern stehe ich vorm Eingang einer Mine, an der quirliges (allerdings mehr gesellschaftliches als arbeitsames) Treiben herrscht. Die Mineros sind überraschend lustige und aufgeschlossene Menschen, wahren aber trotzdem eine gewisse Distanz zu mir. Der Jeepfahrer fragt mich, ob ich mir nicht mal die Mine von Innen ansehen wolle. "Ist das möglich?" frage ich erstaunt. "Ja klar, kein Problem!" antwortet er mir und schon bekomme ich eine kiloschwere Batterie um die Taille gehängt und einen kleinen Helm mit einer schwachen Funzel auf den Kopf gesetzt.
La Mina del Oro

Durch Holzbalken ist nur der Eingang abgesichert, danach wird es abenteuerlich. Mein "Amigo" läuft barfuß voraus und gebückt laufen wir durch knöcheltiefes Wasser. Es stinkt nach Exkrementen und umso tiefer wir in die Mine vordringen, desto unerträglicher wird die Hitze. Am Vortrieb arbeitet eine Gruppe von etwa 10 Mineros und selbst deren T-Shirts kleben vor Schweiß am Körper. Es ist das erste Mal, dass ich Bolivianer schwitzen sehe, nach meinem Empfinden sind es hier drinnen fast 50 Grad. Mein Kamera-Objektiv beschlägt sofort und ich kann es immer noch nicht glauben, was ich hier überhaupt mache. Man sagt mir, dass ich bis zum vordersten Mann durchkriechen soll, um auch alles ganz genau zu sehen und er zeigt mir die Goldspuren im Fels. Ich sitze neben ihm in dem keinen ganzen Meter hohen Gang und mache Fotos von der Gruppe. Sie finden es alle ganz toll und wollen, dass ich immer mehr Fotos mache. Das Tollste für sie daran ist natürlich der Blitz, der in dieser ewigen Dunkelheit für kurze Zeit alles erhellt. Ihre fröhlichen Gemüter scheinen sich dem Licht anzupassen. Ich finde es unglaublich, dass man bei einer so harten Arbeit noch so fröhlich sein kann; es gibt hier keine Maschinen! Der Fels wird mit Meißel und Hammer geschlagen und eine Frischluftzufuhr gibt es ebenfalls nicht. Ich bin froh, dass ich auf dem Altiplano gelernt habe, mit wenig Sauerstoff auszukommen. Neben dem stickigen Kohlendioxid scheint hier nicht viel zu existieren.
Auf dem Rückweg zeigt mir mein Amigo noch einen weiteren Vortrieb mit Arbeitern, den wir nur nach viel Kletterei erreichen. Außerdem zeigt er mir einen stillgelegten Schacht, in dem es keinerlei Sauerstoff gibt und sogar er mir vom Betreten abrät.

Nach diesem aufregenden Erlebnis bin ich froh wieder aus der Mine herauszukommen und genieße die draußen herrschende "Frische" von 30°C. Die Frauen sehen sich das Schauspiel vom Gringo, der vor Schweiß triefend aus der Mine kommt, belustigt an. Sie scheinen es kaum glauben so können, dass ich ohne auch nur einen Handschlag gemacht zu haben, so sehr schwitzen kann.
Ich erfahre von meinem Amigo, dass er sich stolz Presidente de la Cooperativa nennt. Wunderbar, dann habe ich sogar mal den Präsidenten kennen gelernt! Er darf sich offensichtlich nur so nennen, da er als fast einziger hier Lesen und Schreiben kann. Er möchte unbedingt ein paar Abzüge der Fotos haben und schreibt mir als Adresse eine hochkomplizierte Wegbeschreibung auf ein Stück Papier. Mal sehen, ob die Post das finden wird...
Bevor ich mich verabschiede, bekomme ich noch ein wunderbares Essen für 5 Bs (60ct). Es ist das Übliche: Reis mit Fleisch und Kartoffeln, aber um einiges besser zubereitet als der lieblose Fraß unten im Guanay. Die Köchin der Cooperativa freut sich über mein Kompliment und ich würde gerne zum Essen wiederkommen.
Während ich auf dem Rückweg bin, setze ich mich für eine Weile an einen schönen Aussichtspunkt an der Piste. Ich genieße den Ausblick auf die Selva und den schlammigen Fluss und lasse mit ein wenig Musik meine Gedanken gleiten. Plötzlich tippt mir jemand auf die Schuler: Es ist ein Minero auf dem Heimweg von der Arbeit. Er zeigt mir seine zitternden Hände, die er gar nicht mehr bewegen kann. Dieses Problem hätte er jeden Tag nach der Arbeit, erklärt er mir, und mich wundert's nicht. Dann endlich kommt er auf den Punkt und fragt mich, ob ich nicht ein wenig Medizin dagegen hätte. Nun, ich würde dem armen Kerl wirklich gerne helfen, doch erst jetzt fällt mir ein, dass ich nicht einmal Gelenksalbe in meiner "Farmacia" habe. Ich verneine bedauernd und er macht sich mit geknicktem Kopf wieder auf den Weg.
Mineros auf dem Weg zur Arbeit
Gegen Abend gehe ich mit Hans noch einmal zum Bootsanleger, um uns die Abfahrtszeit bestätigen zu lassen. Der schmierige Typ versichert uns, dass er morgen fährt. Er muss allerdings heute Abend um 9 noch mit der Fußballmannschaft über die Abfahrtszeit sprechen und will dann auch um 9 Uhr bei uns vorbeikommen, um Bescheid zu geben. Wir werden ihn heute Abend nicht mehr sehen...
Hans und ich kochen uns wieder eine leckere Mahlzeit im Patio des Residencial und während wir so mit dicken Bäuchen faul in unseren Stühlen sitzen, kommt ein junger Mann mit Brille und langen Haaren vorbei. Mit blonden Haaren!
Er stellt sich als Donat (nicht Donut!) aus Dresden vor und beginnt über den Abend ein ganz lustiges Gespräch mit uns. Ich kann es kaum glauben! Am Tag vor unserer Abreise treffen wir den ersten Touri hier! Er ist mit seiner Frau unterwegs und zu allem Glück wollen sie beide morgen auch nach Rurre - am besten per Boot. Sie sind mit zwei Führern von Sorata aus durch die Anden gewandert, haben aber beim Buchen der Tour "vergessen", auch die Rückfahrt mit den beiden Führern zu buchen! Also sind sie einfach per Jeep und Pickup weiter ins Amazonastiefland gefahren und heute nach einer überaus abenteuerlichen Fahrt hier gelandet. Wir werden am morgen auf jeden Fall erst einmal alle zusammen weiterreisen.
Ich zermartere mir weiterhin darüber den Kopf, mit welcher Ausrede uns der Bootsmann morgen noch abwimmeln kann oder 300 US$ von uns verlangen könnte, denn bekanntlich trifft ja nie das zu, womit man vorher gerechnet hat.........
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-Tacho defekt- |
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-Tacho defekt- |
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-Tacho defekt- |
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