Reiseradler-Treffen am Edersee

Am Edersee gibt es wieder eine ganze Menge bekannter Gesichter zu sehen. Da sind Karsten, Maze, Thun, Nico, Urs aus der Schweiz, Klaudia, Detlef, Katja und viele andere bekannte Gesichter aus dem Reiseradler-Forum, von denen ich viele auch schon aus dem letzten Jahr kenne.

Obwohl ich kaum jemandem etwas von meinem Reiseziel gesagt habe, hat es sich - dass ich direkt im Anschluss an das Treffen weiter nach Südamerika reisen werde - schon längst herumgesprochen. Und natürlich prasseln wieder eine Menge gut gemeinter Ratschläge, Schwarzmalereien und gute Wünsche auf mich herein. Dazu gehört unter anderem, dass ich mir doch vor dem Abflug noch ein Kruzifix besorgen solle, um die südamerikanischen Diebe bei Überfällen zu besänftigen. Toll, dann haben sie auch gleich eins, um es auf das Grab zu stecken, wo sie mich nach dem Überfall verbuddeln werden! Warum auch nicht? Man sollte schließlich für den Fall der Fälle alles dabeihaben. Als wie ernst ich nun meine ironisch gemeinten Gegenkommentare betrachten soll, weiß ich selbst nicht genau. Schließlich habe ich kaum eine Ahnung davon, was mich dort unten erwarten wird.

Copyright: Detlef Zander
Alle hocken gespannt über der Peru-Karte

Zusammen verbringen wir noch drei amüsante Tage auf dem Campingplatz in Herzhausen und Umgebung. An schöne Wanderungen und Touren um den landschaftlich sehr reizvollen Edersee schließen sich die immer wieder sehr interessanten Grillabende an. Da wird geklönt, gelacht, alle tauschen haufenweise Geschichten und Tipps von ihren Reisen aus und irgendwie sind sich alle gut Freund. Das mag jetzt vielleicht etwas komisch klingen, doch die Atmosphäre auf einem solchen Treffen ist einfach einmalig. Bekannt ist ja schon der Zusammenhalt unter Motorbikern - umso größer ist er natürlich in dem so kleinen Grüppchen der "richtigen" Biker...



Ja, und das mit den Karten ist auch so eine Geschichte für sich. Kaum wird eine aufgefaltet, oder man sieht eine am Wegesrand, und schon bildet sich ein Grüppchen drumherum, das sich über Standort, besten Weg, Topografie und Sehenswürdigkeiten und dergleichen beratschlägt bis sich die Balken biegen. Selten habe ich Leute gesehen, die so fanatisch jede Information aus einer Karte saugen möchten. So als wenn diese ein dickes Buch voller Wissen wäre. Ich möchte mich da allerdings nicht ausschließen...



Copyright: Katja

Am Samstag unternimmt der eine Teil der Gruppe noch eine Wanderung, während der andere sich auf eine Radtour durchs Gebüsch macht. Im Regen landen letztendlich alle. Es regnet noch einmal richtig kräftig. In einer spontanen "Eingebung" von Tine einigen wir uns darauf das Wetter durch positives Denken besser zu machen. Es funktioniert! - zumindest teilweise...
Am Sonntagmorgen ist dann auch dieses Treffen vorbei. Als ich aus dem Zelt komme, sind die ganz Eiligen schon in aller Frühe aufgebrochen, die meisten sind aber noch dabei ihre Sachen zu packen. Etwas wehmütig beginne ich meine Sachen zu packen und habe dabei ein gehörig mulmiges Gefühl im Magen. Andy sieht es mir beim Abschied an: "Muffensausen?" Ja, damit bringt sie es direkt auf den Punkt. Von heute an werde ich wieder alleine sein. Bis nach Frankfurt sind es noch zwei Tage - danach folgt absolutes Neuland. Ein ganzer Kontinent, auf dem ich bis jetzt weder Freunde noch Bekannte habe. Und dazwischen liegt niemand, mit dem ich mich aussprechen könnte. Um die Abfahrt hinauszuzögern, werfe ich noch einen Blick auf die Karten, um meine heutige Tagesetappe noch festzulegen. Ein Lächeln bringe ich kaum noch über die Lippen, nachdem die letzten Tage doch eigentlich so voller guter Laune waren. Mit einem wehmütigen Blick zurück trete ich in die Pedale und fahre in Richtung Süden...

Tag 4:
Tour um den Edersee
51,45 km
Tag 5:
Wanderung ohne Rad
0,17 km


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